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Jung und intergeschlechtlich

Manche haben einen Jungenkörper, andere einen Mädchenkörper. Und manche haben einen intergeschlechtlichen Körper – für euch gibt's hier Infos. 

Was bedeutet "intergeschlechtlich" oder "intersexuell"?

Wer inter* ist, hat körperliche Merkmale von Jungs und Mädchen (zum Beispiel in den Hormonen, Genen oder Körperteilen). Oder welche, die Jungs und Mädchen nicht haben. Das gibt es öfter, als die meisten Erwachsenen denken.

Es gibt ganz verschiedene Formen von Intergeschlechtlichkeit und entsprechend viele, oft kompliziert klingende medizinische Begriffe dafür.

Bin ich anders?

Wenn man genau hinschaut, sind alle Menschen sehr verschieden gebaut. Nur beim Thema Geschlecht haben wir gelernt, alle Leute in zwei Schubladen zu sortieren: Mann oder Frau. Das klappt nicht besonders gut, weil die Natur den Menschen nicht nur in zwei Modellen liefert.

Man könnte also auch sagen: Du bist anders – wie alle anderen auch.

Was kommt in der Pubertät auf mich zu?

Es kann sein, dass dein Körper sich anders entwickelt als bei den Jugendlichen, die du kennst. Vielleicht kam dadurch auch überhaupt erst heraus, dass du inter* bist.

Das kann erst mal ganz schön heftig sein. Aber: Die Pubertät ist für die meisten eine verwirrende Zeit. Und viele Jugendliche fühlen sich unter Druck, weil ihr Körper nicht so aussieht wie bei Männern und Frauen in der Werbung. Für inter* Jugendliche kann diese Zeit extra herausfordernd sein, weil immer noch zu wenige Leute wissen, wie unterschiedlich Körper sind und dass das normal ist.

Vielleicht möchtest du später als Mann, Frau oder dazwischen leben. Mit Hormonen kann man erreichen, dass sich der Körper stärker in eine bestimmte, zum Beispiel weiblichere oder männlichere Richtung entwickelt – oder die Entwicklung erst mal stoppen.

Muss ich medizinisch behandelt werden?

Intergeschlechtlich zu sein ist keine Krankheit. Trotzdem kann es sein, dass du besondere Untersuchungen machen sollst oder Ersatzhormone brauchst. Manche Untersuchung ist nötig, um sicherzustellen, dass du gesund bleibst. Du hast in jedem Fall ein Recht zu wissen, aus welchen Gründen was untersucht werden soll!

Vielleicht heißt es auch, deine Gonaden müssten herausoperiert werden, damit du nicht krank wirst ("Gonaden" ist ein Überbegriff für Hoden, Eierstöcke und ihre Zwischenformen). Damit ist man aber heute vorsichtiger als früher. Denn inzwischen weiß man, wie wichtig es ist, dass Körper erst mal so bleiben dürfen, wie sie sind. 

Und es gibt Regeln zum Umgang mit Intergeschlechtlichkeit, an die sich alle Ärzt_innen halten sollen ("Leitlinie"). Die sagen: Kinder oder Jugendliche müssen mitentscheiden dürfen. Operationen sollen nur passieren, wenn es gar keine andere Möglichkeit gibt, die Gesundheit zu erhalten.1

Wo kann ich andere inter* Jugendliche kennen lernen?

Oft denken inter* Leute am Anfang, sie seien ganz allein damit. Denn in der Schule hört man kaum etwas über Intergeschlechtlichkeit. Auch in den Medien sieht man selten inter* Menschen.

Aber inter* Jugendliche verschaffen sich weltweit immer mehr Gehör: in Blogs, Comics, bei Eltern-Kind-Treffen oder internationalen Jugendkonferenzen. Erste Kontaktpunkte findest du unter "Anlaufstellen" auf dieser Webseite.

1 Deutsche Gesellschaft für Urologie/Deutsche Gesellschaft für
Kinderchirurgie/Deutsche Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie (Hrsg.) (2016): S2k-Leitlinie
Varianten der Geschlechtsentwicklung. Zuletzt abgerufen am 09.03.2018 von
www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/174-001l_S2k_Geschlechtsentwicklung-Varianten_2016-08_01.pdf.