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Mein Kind ist intergeschlechtlich

"Junge oder Mädchen?" Manchmal ist das nicht so einfach zu beantworten. Eltern stehen dann oft vor schwierigen Fragen.

Die Nachricht, dass das eigene Kind körperlich nicht in die Kategorien von weiblich oder männlich passt, trifft die meisten Eltern unvorbereitet. Insbesondere wenn das medizinische Personal selbst unsicher agiert, Sie mit einer alarmierend klingenden Diagnose oder zusätzlichen Untersuchungen konfrontiert werden, kann sich leicht Überforderung einstellen. Auch Scham oder Angst, das eigene Kind nicht lieben zu können, kommen vor. Und vor allem ist es meist schwierig, verlässliche Antworten auf die eigenen Fragen zu finden.

Ein Kind wie andere auch

Das Wichtigste vorweg: Ihr Kind ist in Ordnung so, wie es ist, und es kann so glücklich aufwachsen wie andere auch. Sein körperliches Geschlecht ist an sich so wenig behandlungsbedürftig wie das männliche oder weibliche Geschlecht anderer Kinder. Lebensbedrohliche Komplikationen mit umgehendem Handlungsbedarf kommen eher selten vor.1

Sich Zeit nehmen

Lassen Sie sich also nicht unter Druck setzen. Erlauben Sie Ihrem Kind, seinen Körper kennen zu lernen. Die Geschlechtsidentität des Kindes und späteren Erwachsenen, dessen Wünsche in Bezug auf den eigenen Körper und die eigene Sexualität lassen sich nicht vorhersagen. Mit zunehmendem Alter wird sich Ihr Kind dazu selbst äußern können. Behandlungen, die einige inter* Personen auf eigenen Wunsch vornehmen lassen, um ihren Körper zum Beispiel in eine männlichere oder weiblichere Richtung zu verändern, sind dann immer noch möglich.2

Operationen, aber auch manche hormonelle Eingriffe in den kindlichen Körper lassen sich nicht rückgängig machen. Viele intergeschlechtlicheIntergeschlechtliche (lat. "inter": zwischen) Menschen haben angeborene körperliche Merkmale, die sich nach medizinischen Normen nicht eindeutig als (nur) männlich oder (nur) weiblich einordnen lassen. Erwachsene müssen heute mit den Folgen von Behandlungen leben, in die sie nicht eingewilligt haben.

Studien deuten darauf hin, dass Eltern, die eine nicht-medizinische Beratung bekommen haben, deutlich seltener geschlechtsveränderndenMit geschlechtsverändernden Eingriffen wird der Körper von intergeschlechtlichen Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen so verändert, dass sie den aktuellen Vorstellungen über einen "typisch" männlichen oder weiblichen Körper entsprechen. Operationen zustimmen.3 Und auch in der Medizin findet inzwischen ein Umdenken statt: So fordern die geltenden Leitlinien größtmögliche Zurückhaltung bei Operationen an inter*Intergeschlechtliche (lat. "inter": zwischen) Menschen haben angeborene körperliche Merkmale, die sich nach medizinischen Normen nicht eindeutig als (nur) männlich oder (nur) weiblich einordnen lassen. Kindern in nicht unmittelbar lebensbedrohlichen Fällen.4 

Ihr Kind und sich selbst stärken 

Insbesondere in den ersten Lebensjahren sind Sie als Verbündete Ihres Kindes gefordert, wenn es darum geht, dessen Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung zu wahren. 

Intergeschlechtliche Kinder können ein unkompliziertes und selbstbewusstes Verhältnis zu ihrem Körper und Geschlecht entwickeln, wenn ihnen das Wissen darüber nicht vorenthalten wird und ihre Bezugspersonen gelassen damit umgehen. Dabei kann auch Kontakt zu erwachsenen inter* Vorbildern helfen.

In Eltern-Gruppen und Inter*-Beratungsstellen finden Sie Menschen, die mit den Fragen vertraut sind, die sich in Ihrer Situation stellen. Von intergeschlechtlichenIntergeschlechtliche (lat. "inter": zwischen) Menschen haben angeborene körperliche Merkmale, die sich nach medizinischen Normen nicht eindeutig als (nur) männlich oder (nur) weiblich einordnen lassen. Erwachsenen können Sie etwas über deren biographische Wege erfahren. Inter*-Organisationen bieten nützliche Infomaterialien.

1 Deutscher Ethikrat (2012), Intersexualität. Stellungnahme. Berlin: Eigenverlag, S. 45f. Zuletzt abgerufen am 22.02.2018 von www.ethikrat.org/dateien/pdf/stellungnahme-intersexualitaet.pdf; Krämer, Anike/Sabisch, Katja/Woweries, Jörg (2016): "Varianten der Geschlechtsentwicklung – die Vielfalt der Natur". In: Kinder- und Jugendarzt. 2016, 47/5, S. 318-320. Zuletzt abgerufen am 06.03.2018 von www.vlsp.de/files/pdf/kraemer2016.pdf.

2 Deutsche Gesellschaft für Urologie/Deutsche Gesellschaft für
Kinderchirurgie/Deutsche Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie (Hrsg.) (2016): S2k-Leitlinie
Varianten der Geschlechtsentwicklung, S. 18, 20. Zuletzt abgerufen am 01.01.2018 von
www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/174-001l_S2k_Geschlechtsentwicklung-Varianten_2016-08_01.pdf.

3 Streuli, J.C./Vayenam, E./Cavicchia‐Balmer, Y./Huber, J. (2013): "Shaping parents: Impact of contrasting professional counseling on parents‘ decision making for children with disorders of sex development". In: The Journal of Sexual Medicine. 2013,10/8, S. 1953-1960.

4 Deutsche Gesellschaft für Urologie/Deutsche Gesellschaft für
Kinderchirurgie/Deutsche Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie (Hrsg.) (2016): S2k-Leitlinie
Varianten der Geschlechtsentwicklung, S. 19; 21. Zuletzt abgerufen am 01.01.2018 von
www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/174-001l_S2k_Geschlechtsentwicklung-Varianten_2016-08_01.pdf.


 

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