(Un-)Sichtbarkeit von lsbq Menschen

Lesbische, schwule, bisexuelle und queere Menschen sind weniger sichtbar in der Gesellschaft als heterosexuelle. Warum ist es wichtig, dies zu ändern? Und birgt mehr Sichtbarkeit auch mehr Gefahr?

Für viele LSBQ'LSBTIQ' oder ähnliche Zusammensetzungen dienen als Abkürzung für 'Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans-, intergeschlechtliche und queere Menschen'. 'Lsbtiq' steht entsprechend für 'lesbisch, schwul, bisexuell, trans-, intergeschlechtlich und queer'. gibt es Aktionstage, um die Sichtbarkeit zu fördern, so zum Beispiel den Tag der bisexuellen Sichtbarkeit oder den Tag der lesbischen Sichtbarkeit. Dies aus gutem Grund.

Warum ist Sichtbarkeit wichtig?

Für viele lsbq'LSBTIQ' oder ähnliche Zusammensetzungen dienen als Abkürzung für 'Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans-, intergeschlechtliche und queere Menschen'. 'Lsbtiq' steht entsprechend für 'lesbisch, schwul, bisexuell, trans-, intergeschlechtlich und queer'. Menschen, gerade auch Kinder und Jugendliche, ist es wichtig, sich in den Medien, der Schule, Politik, Arbeit und allgemeinen Öffentlichkeit repräsentiert zu sehen. Das macht sichtbar, dass sie nicht alleine, sondern eine_r von vielen und Teil einer CommunityDer Begriff 'Community' (dt.: Gemeinschaft, Gemeinde) bezeichnet eine Gruppe von Menschen, die sich aufgrund gemeinsamer Interessen, Eigenschaften oder Erfahrungen einander zugehörig fühlen. sind. Dies kann LSBQ in ihrer Identität bestärken und empowernDurch Empowerment (dt.: Ermächtigung, Stärkung) wird die Selbstbestimmung und Handlungsfähigkeit von Menschen oder Gemeinschaften verbessert., was auch ein ComingoutAls Comingout (engl. 'come out': herauskommen) wird der Prozess bezeichnet, die eigene Identität, sexuelle Orientierung, Lebensweise oder Körperlichkeit öffentlich zu machen, obwohl sie von herrschenden Normen abweicht. erleichtern kann.

Sichtbarkeit führt auch zu mehr Wissen bei heterosexuellenWenn Frauen sich von Männern romantisch und/oder sexuell angezogen fühlen, oder Männer von Frauen, werden sie als heterosexuell bezeichnet. Zugleich beschreibt 'heterosexuell' auch sexuelle Handlungen zwischen einer Frau und einem Mann. Menschen und zu Aufmerksamkeit für die Anliegen von LSBQ. So zeigt eine Studie aus 2020, dass nicht-lsbtiq'LSBTIQ' oder ähnliche Zusammensetzungen dienen als Abkürzung für 'Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans-, intergeschlechtliche und queere Menschen'. 'Lsbtiq' steht entsprechend für 'lesbisch, schwul, bisexuell, trans-, intergeschlechtlich und queer'. Menschen LSBTIQ-Rechte und -Akzeptanz stärker unterstützen, wenn sie lsbtiq Menschen in den Medien sehen.1

Ist es für lsbq Menschen sicher, im Alltag sichtbar zu sein?

Zunehmende Sichtbarkeit von queerenim Englischen ein starkes Schimpfwort für LSBTIQ, ähnlich dem deutschen 'pervers'. In Deutschland dient es heute oft als Sammelbezeichnung für LSBTIQ, aber auch als eigenständige Selbstbezeichnung, die begrenzende Kategorien in Frage stellt. Menschen kann auch dazu führen, dass sich lsbtiq-feindliche Menschen noch mehr bedroht und unwohl fühlen. LSBTIQ-feindliche DiskriminierungDiskriminierung (lat. 'discriminare': trennen, unterscheiden) bedeutet, dass Menschen schlechter behandelt werden oder Nachteile für sie bestehen, weil sie bestimmte Merkmale haben beziehungsweise ihnen diese Merkmale zugeschrieben werden., Hassrede und Übergriffe können dann (vorübergehend) zunehmen. Das wäre ein sogenannter Backlash. So sagen zwar 95 Prozent der Menschen in Deutschland, dass es gut sei, dass homosexuelle'Homosexuell' (griech.'homos': gleich; lat. 'sexus': Geschlecht) ist ein historischer Begriff, der sexuelle Handlungen, Begehren und Beziehungen zwischen Angehörigen des gleichen Geschlechts beschreibt. Menschen gesetzlich vor Diskriminierung geschützt sind. Gleichzeitig bejahen aber 44 Prozent die Aussage "Homosexuelle sollten aufhören, so einen Wirbel um ihre Sexualität zu machen". Und 38 Prozent empfinden es als unangenehm, wenn sich zwei Männer in der Öffentlichkeit küssen.2 

Für viele lsbq Menschen kommt Sichtbarkeit im Alltag deshalb einer Mutprobe gleich. Wenn sie als lsbq gelesen werden, erhalten sie oft mehr Aufmerksamkeit als Heterosexuelle – sei es, dass Leute sich nach ihnen umdrehen, lachen, auf sie zeigen oder sie gar verbal oder körperlich angreifen. 45 Prozent aller lsbq Menschen sagen, dass sie sich nie oder nur selten trauen, öffentlich die Hand ihrer queeren Partner_innen zu halten.3

Viele versuchen sich auch zu schützen, indem sie sich an gesellschaftliche NormenGesellschaftliche Normen (lat. 'norma' Richtschnur, Regel) bezeichnen allgemein anerkannte, als verbindlich geltende Verhaltensregeln, die das Zusammenleben von Menschen organisieren. halten, was beispielsweise Kleidung, Make-up oder Körperhaltung betrifft. Für gendernonkonformeDer Begriff 'genderkonform' beschreibt die Übereinstimmung mit gesellschaftlich vorherrschenden Ideen über ein bestimmtes Geschlecht. 'Gendernonkonform' beschreibt die Abweichung davon., trans*Transgeschlechtliche Menschen identifizieren sich nicht oder nicht nur mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. und inter* LSBQ sowie LSBQ of Color'Person of Color' (Plural: People of Color) ist eine empowernde Selbstbezeichnung, die sich gegen eine Identitätsbestimmung über 'kulturelle' oder 'ethnische' Zugehörigkeiten und Zuschreibungen richtet. und/oder mit Behinderungen kann es aber schwierig oder unmöglich sein, "unsichtbar" zu bleiben. Viele möchten das verständlicherweise auch gar nicht. Umso höher ist für sie das Risiko, von (Mehrfach-)Diskriminierungen und Übergriffen betroffen zu sein.

Sichtbarkeit und Repräsentation in der Gesellschaft

Weil Sichtbarkeit im Alltag gefährlich sein kann, ist es umso wichtiger, dass lsbq Menschen in anderen Gesellschaftsbereichen repräsentiert sind, zum Beispiel in den Medien, der Kultur, Politik, Wissenschaft, Sport, Wirtschaft und dem Bildungs- und Gesundheitswesen. In allen diesen Bereichen gibt es noch Nachholbedarf. 
 

1 GLAAD, Procter & Gamble (2020): "LGBTQ Inclusion in Advertising & Media. Executive Summary". Zuletzt abgerufen am 23.09.2020 von www.glaad.org/sites/default/files/P%26G_AdvertisingResearch.pdf. 

2 Antidiskriminierungsstelle des Bundes (2017): Einstellungen gegenüber Lesben, Schwulen und Bisexuellen in Deutschland. Ergebnisse einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage. Zuletzt abgerufen am 29.09.2020 von www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/publikationen/Umfragen/Handout_Themenjahrumfrage_2017.pdf.

3 Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (2020): EU LGBTI survey II – A long way to go for LGBTI equality. Country Data – Germany. S. 1. Zuletzt abgerufen am 29.09.2020 von fra.europa.eu/sites/default/files/fra_uploads/lgbti-survey-country-data_germany.pdf.