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Geschlechtsidentität und Geschlechtsausdruck

Wie Menschen sich geschlechtlich erleben und präsentieren, ist sehr unterschiedlich. Zwei zentrale Begriffe dafür stellen wir hier vor. 

Vielleicht sagen Sie über sich: Ich bin ein Mann. Oder Sie fühlen sich als eine Frau. Oder als beides. Oder Ihr Selbsterleben ist dazwischen oder verändert sich. Oder Sie wissen ganz genau: Ich bin weder noch.

Wer bin ich? Geschlechtsidentität

Das innere Wissen und Empfinden über die eigene geschlechtlicheGeschlecht ist in unserer Gesellschaft ein wichtiges Ordnungsprinzip und eine einflussreiche soziale Kategorie. Aber die Definitionen darüber, was Geschlecht eigentlich ausmacht, unterscheiden sich stark: … Zugehörigkeit bezeichnet man als Geschlechtsidentität (auch "Geschlechtswissen" oder nur "Geschlecht").

Die meisten Menschen wissen recht früh, ob sie sich als Junge, Mädchen oder einem weiteren Geschlecht zugehörig fühlen. Manchmal kann sich die Geschlechtsidentität im Lauf des Lebens auch noch verschieben, zum Beispiel von agender"Nicht-binär", "non-binary" oder auch "genderqueer" sind Selbstbezeichnungen für eine Geschlechtsidentität, die sich nicht in der Gegenüberstellung von Mann oder Frau beschreiben lässt. zu (transTransgeschlechtliche Menschen identifizieren sich nicht oder nicht nur mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.-)männlich oder von (cisDie Begriffe "cisgeschlechtlich", "cisgender" oder "cis" (lat. "cis-": diesseits) beschreiben Menschen, die sich dem Geschlecht zugehörig fühlen, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.-)weiblich zu genderqueer"Nicht-binär", "non-binary" oder auch "genderqueer" sind Selbstbezeichnungen für eine Geschlechtsidentität, die sich nicht in der Gegenüberstellung von Mann oder Frau beschreiben lässt..

Cis und trans*

Viele Menschen erleben eine Übereinstimmung zwischen ihrem Fühlen/Wissen über sich selbst und dem Geschlecht, das in ihrem Ausweis steht und in dem sie erzogen wurden (cisDie Begriffe "cisgeschlechtlich", "cisgender" oder "cis" (lat. "cis-": diesseits) beschreiben Menschen, die sich dem Geschlecht zugehörig fühlen, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.) – oder sie stellen sich die Frage nach ihrer Geschlechtsidentität gar nicht.

Bei anderen passt die Zuordnung, die bei ihrer Geburt vorgenommen wurde, nicht zu ihrer Identität – zum Beispiel bei trans* Jungen, nicht-binären Menschen oder transsexuellen Frauen.

Wie zeige ich (mein) Geschlecht? Geschlechtsausdruck

Die Geschlechtsidentität eines Menschen ist nicht von außen erkennbar. Geschlecht hat aber auch eine sicht- und hörbare Komponente: den Geschlechtsausdruck. Damit wird bezeichnet, wie ein Mensch sich kleidet, spricht oder bewegt und so Geschlecht zum Ausdruck bringt. 

Häufig passiert es, dass vom Geschlechtsausdruck einer Person auf deren Geschlechtsidentität geschlossen wird. Dann gelten zum Beispiel Rock und Lippenstift als Beleg dafür, dass jemand sich feminin fühlt. Damit kann man jedoch leicht daneben liegen: Zum einen bedeuten ein Ohrring, ein kurzer Haarschnitt oder übereinander geschlagene Beine nicht für alle das Gleiche. Zum anderen entscheiden sich manche Menschen bewusst zum Beispiel für ein "maskulineres" Auftreten oder "eindeutigere" Kleidung, als es ihrem inneren Empfinden entspricht, um Anfeindungen oder Spott zu vermeiden.

Recht und Diskriminierung

Ein Geschlechtsausdruck, der von Rollenerwartungen an Männer/Jungen und Frauen/Mädchen abweicht, ist häufig Anlass für Diskriminierung und Gewalt. Expert_innen fordern darum eine explizite Aufnahme dieses Merkmals unter die Schutzgründe des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG).1 

Die Geschlechtsidentität ist – unter dem etwas missverständlichen Oberbegriff der "sexuellen Identität" – im AGG bereits berücksichtigt. Mit seinem Beschluss vom 10. Oktober 2017 hat das Bundesverfassungsgericht den Schutz der Geschlechtsidentität noch einmal gestärkt und festgestellt, dass er auch für Menschen gilt, die sich nicht als Mann oder Frau identifizieren.2

1 Antidiskriminierungsstelle des Bundes (2015): Gleiche Rechte – gegen Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Bericht der unabhängigen Expert_innenkommission der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Berlin: Antidiskriminierungsstelle des Bundes, S. 31. Zuletzt abgerufen am 24.04.2018 von https://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/Literatur_Themenjahr_Geschlecht/Handlungsempfehlungen_Kommission_Geschlecht.pdf?__blob=publicationFile&v=1

2 Völzmann, Berit (2017): "Gleiche Freiheit für alle! Zur freiheitsrechtlichen Begründung des BVerfG in der Entscheidung zur Dritten Option". In: Verfassungsblog.de, 17.11.2017. Zuletzt abgerufen am 24.04.2018 von verfassungsblog.de/gleiche-freiheit-fuer-alle-zur-freiheitsrechtlichen-begruendung-des-bverfg-in-der-entscheidung-zur-dritten-option/.


 

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