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Trans – was?

Die meisten Menschen identifizieren sich ein Leben lang mit dem Geschlecht, das in ihrer Geburtsurkunde eingetragen wurde, und bleiben der Geschlechterrolle verbunden, die damit vorgezeichnet scheint. Für manche ist das nicht so.

Transgeschlechtliche oder transsexuelle Menschen identifizieren sich nicht, oder nicht nur, mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Meist entscheidet das Aussehen der Geschlechtsorgane darüber, ob ein Baby als Mädchen oder Junge registriert und aufgezogen wird. Trans* Menschen spüren früher oder später: Das passt nicht. Etwa weil sie "dem anderen" Geschlecht angehören. Oder weil sie sich gar nicht als Frau oder Mann einordnen können oder wollen.

Trans* Menschen sind sehr unterschiedlich: Manche sind heteroWenn Frauen sich von Männern romantisch und/oder sexuell angezogen fühlen, oder Männer von Frauen, werden sie als heterosexuell bezeichnet. Zugleich beschreibt "heterosexuell" auch sexuelle Handlungen zwischen einer Frau und einem Mann., andere homosexuell"Homosexuell" (griech. "homos": gleich; lat. "sexus": Geschlecht) ist ein historischer Begriff, der sexuelle Handlungen, Begehren und Beziehungen zwischen Angehörigen des gleichen Geschlechts beschreibt. oder queer"Queer" war im Englischen ein starkes Schimpfwort für LSBTIQ, ähnlich dem deutschen "pervers". In Deutschland dient es heute oft als Sammelbezeichnung für LSBTIQ, aber auch als eigenständige Selbstbezeichnung, die begrenzende Kategorien in Frage stellt.. Manche fordern die bekannten GeschlechterGeschlecht ist in unserer Gesellschaft ein wichtiges Ordnungsprinzip und eine einflussreiche soziale Kategorie. Aber die Definitionen darüber, was Geschlecht eigentlich ausmacht, unterscheiden sich stark: …(rollen) heraus und schaffen sich neue. Andere sagen: Ich bin ein Mann (oder eine Frau), und zwar schon immer, auch wenn andere das nicht sehen konnten. Manchen ist es wichtig, sich körperlich so weit wie möglich an das Geschlecht anzugleichenAls geschlechtsangleichend werden medizinischen Behandlungen bezeichnet, die den Körper an die eigene Geschlechtsidentität anpassen., das sie im Inneren als das ihre erleben. Manche nutzen nur einen Teil der medizinischen Möglichkeiten, zu denen Operationen, Hormongaben oder Epilation gehören. Andere fühlen sich in genau dem Körper wohl, den sie haben.

Transsexuell, transident, transgender,  transgeschlechtlich – warum so viele Bezeichnungen? 

In der öffentlichen Wahrnehmung ist für die Vielfalt an Selbstverständnissen von trans* Menschen oft kein Platz. Wenn ein "Trans..."-Begriff fällt, taucht in vielen Köpfen ein Standardmodell auf und bestimmt das weitere Handeln – oft zum Schaden der Menschen, die von diesem Bild abweichen. Das ist einer der Gründe, warum trans* Menschen ihre Verschiedenheit auch sprachlich sichtbar machen wollen. Ein weiterer Grund ist, dass sie Ersatz für diskriminierende Bezeichnungen suchen.

Dass es überhaupt Begriffe braucht, liegt an einer stillschweigenden und verbreiteten Vorannahme: Dass alle Menschen sich mit dem Geschlecht identifizierten, das bei der Geburt eingetragen wurde. Transgeschlechtlichkeit erscheint dann als Sonderfall, der mit einem eigenen Namen versehen werden muss.

Wie viele trans* Menschen gibt es?

Schätzungen zum Anteil transgeschlechtlicher Menschen an der Gesamtbevölkerung unterscheiden sich danach, welche Definition von Transgeschlechtlichkeit ihnen zugrunde liegt. Werden nur jene Menschen gezählt, die die Diagnose "Transsexualität" erhalten und medizinische Behandlungen in Anspruch nehmen, ergibt sich ein Anteil von knapp fünf pro 100.000 Einwohner_innen.1  Fragt man dagegen danach, wer sich nicht oder nur zum Teil mit seinem männlichen oder weiblichen Geschlechtseintrag identifiziert, liegt der Anteil bei etwa einem bis vier Prozent.2

Ist Transgeschlechtlichkeit eine Krankheit?

Nein.3  Dass GeschlechtsidentitätDie Geschlechtsidentität bezeichnet das Wissen und Empfinden eines Menschen über sein eigenes Geschlecht. und GeschlechtseintragAls Geschlechtseintrag wird der behördliche Vermerk über das Geschlecht im Geburtsregister und in Ausweisdokumenten bezeichnet. sich bei einem Menschen unterscheiden, ist keine Krankheit oder Störung. Allerdings kann transfeindliche Diskriminierung oder das erzwungene Verbergen der eigenen Geschlechtsidentität die Gesundheit von trans* Menschen beeinträchtigen.

1 So eine internationale Meta-Studie: Arcelus, J./Bouman, W.P./Van Den Noortgate, W./Claes, L./Witcomb, G./Fernandez-Aranda, F. (2015): "Systematic review and meta-analysis of prevalence studies in transsexualism". In: European Psychiatry. 2015, 30/6, S. 807-815.

2 Ergebnis einer Bevölkerungsbefragung in den Niederlanden: Kuyper, L./C. Wijsen (2014): "Gender identities and gender dysphoria in the Netherlands". In: Archives of Sexual Behavior. 2014, 43/2, S. 377-85.

3 World Medical Association (2017): "WMA Statement on Transgender People". In: wma.net, 17.02.2017. Zuletzt abgerufen am 11.09.2017 von www.wma.net/policies-post/wma-statement-on-transgender-people/.

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