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Tipps für Inter* zu Arztbesuchen

Für intersexuelle beziehungsweise intergeschlechtliche Menschen sind Arztbesuche mit besonderen Hürden und Risiken verbunden. Die eigenen Rechte und Möglichkeiten zu kennen und sich gut vorzubereiten, kann die Risiken mindern.

Als intergeschlechtlicherIntergeschlechtliche (lat. "inter": zwischen) Menschen haben angeborene körperliche Merkmale, die sich nach medizinischen Normen nicht eindeutig als (nur) männlich oder (nur) weiblich einordnen lassen. Mensch befürchten Sie möglicherweise, von Mediziner_innen nicht angemessen beraten oder nicht ernst genommen, bevormundet oder sogar (erneut) traumatisiert zu werden. Andererseits haben auch Sie manchmal Bedarf an einer Untersuchung oder Behandlung – und ein Recht auf das höchste erreichbare Maß an körperlicher und geistiger Gesundheit.1

Vor dem Termin

Im Text "Inter* und gesund sein" finden Sie grundlegende Hinweise zur Vorbereitung auf einen Arztbesuch.

In Inter*-Beratungsstellen oder -Foren können Sie sich informieren, welche Fragen Sie im Zusammenhang mit Ihrem Anliegen stellen sollten und welche Art von Untersuchung zu erwarten ist. So können Sie sich innerlich vorbereiten und auch leichter nein sagen zu Untersuchungen, die medizinisch nicht notwendig scheinen und Ihnen unangenehm sind.

Auch können Sie sich wappnen, indem Sie vorher Ihre Fragen notieren und für sich klären, welche Art von Untersuchungen oder Fragen Sie zulassen möchten und welche nicht.

Überlegen Sie, ob Sie eine vertraute Person zur Unterstützung in den Behandlungsraum mitnehmen möchten. 

Während des Termins

Nehmen Sie sich so viel Zeit, wie Sie brauchen. Wenn Sie etwas nicht verstehen, bitten Sie um eine Erklärung in verständlichen Worten. Auch bei diskriminierenden Sprechweisen oder wenn Sie sich unter Druck gesetzt fühlen, kann ein Hinweis an Ihre_n Ärzt_in helfen.

Indem Sie sich Untersuchungen vorher genau erklären lassen, verringern Sie das Risiko, sich plötzlich in einer überfordernden Situation wiederzufinden. Und natürlich können Sie zu jedem Schritt nein sagen und den Termin zu jedem Zeitpunkt abbrechen.

Wenn Ihnen zu einer Behandlung oder Untersuchung geraten wird, deren Notwendigkeit Sie nicht nachvollziehen können, die aber mit einem erhöhten Krebsrisiko begründet wird, ist es sinnvoll nachzufragen: Gibt es Studien, die den Sinn dieser Behandlung belegen?2 Welche langfristigen Folgen hat sie? Welche Alternativen gibt es?

Zum Abschluss des Termins

Sie müssen über eine Behandlung nicht sofort entscheiden, sondern können den ärztlichen Rat als ein Angebot mitnehmen. So können Sie es sich in Ruhe überlegen oder eine zweite Meinung einholen.

Lassen Sie sich Kopien aller Untersuchungsergebnisse geben und bewahren Sie sie auf. So haben Sie Ihre Daten auch zur Hand, wenn Sie Ärzt_innen wechseln oder Untersuchungen weit zurückliegen.

In Deutschland herrscht freie Arztwahl – wenn Sie sich nicht wohlgefühlt haben, können Sie jederzeit eine_n andere_n Mediziner_in aufsuchen.

1 Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte vom 19.Dezember 1966. Zuletzt abgerufen am 12.02.2018 von www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/user_upload/PDF-Dateien/Pakte_Konventionen/ICESCR/icescr_de.pdf.

2 So fordert die aktuelle medizinische Leitlinie eine differenziertere Betrachtung des Tumorrisikos bei Intergeschlechtlichkeit. In der Vergangenheit sei es, auf der Grundlage sehr geringer Fallzahlen, tendenziell zu hoch eingestuft worden: Deutsche Gesellschaft für Urologie/Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie/Deutsche Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie (Hrsg.) (2016): S2k-Leitlinie Varianten der Geschlechtsentwicklung, S. 21f. Zuletzt abgerufen am 09.02.2018 von
www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/174-001l_S2k_Geschlechtsentwicklung-Varianten_2016-08_01.pdf.