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Queere Geflüchtete richtig unterstützen

Viele Menschen werden aufgrund ihrer sexuellen Orientierung in ihren Heimatländern verfolgt und entschließen sich zur Flucht. Wie können Sie sie in ihrem Asylverfahren unterstützen? An wen können Sie sich bei Fragen wenden?

Welche Diskriminierung erleben lsbq Geflüchtete in ihren Herkunftsländern und bei der Ankunft in Deutschland?

Einvernehmliche gleichgeschlechtliche sexuelle Aktivität wird in vielen Ländern immer noch strafrechtlich verfolgt. In 36 Staaten sind homosexuelle"Homosexuell" (griech. "homos": gleich; lat. "sexus": Geschlecht) ist ein historischer Begriff, der sexuelle Handlungen, Begehren und Beziehungen zwischen Angehörigen des gleichen Geschlechts beschreibt. Handlungen explizit verboten und werden entsprechend verfolgt; in 15 weiteren bestehen offiziell Verbote, diese kommen aber nicht mehr zur Anwendung. In elf Ländern zählen homosexuelle"Homosexuell" (griech. "homos": gleich; lat. "sexus": Geschlecht) ist ein historischer Begriff, der sexuelle Handlungen, Begehren und Beziehungen zwischen Angehörigen des gleichen Geschlechts beschreibt. Handlungen zu vagen Straftatbeständen wie "unzüchtige Handlungen" oder "Taten gegen die Natur".1 In anderen Ländern kommt es aus kulturellen oder religiösen Gründen, begründet auf Tradition oder anderen Gesetzen regelmäßig dazu, dass LesbenFrauen, die sich emotional und/oder sexuell in erster Linie zu Frauen hingezogen fühlen, bezeichnen sich häufig als lesbisch., SchwuleMänner, die sich emotional und/oder sexuell in erster Linie zu Männern hingezogen fühlen, bezeichnen sich häufig als schwul., bisexuelleBisexuelle Menschen beschreiben ihre sexuelle Orientierung unterschiedlich: Als romantische und/oder sexuelle Anziehung zu Frauen und Männern, als Anziehung zu dem eigenen Geschlecht oder zu generell mehr als einem Geschlecht. Menschen und solche mit nonkonformemDer Begriff "genderkonform" beschreibt die Übereinstimmung mit gesellschaftlich vorherrschenden Ideen über ein bestimmtes Geschlecht. "Gendernonkonform" beschreibt die Abweichung davon. GeschlechtsausdruckGeschlechtsausdruck bezeichnet die Art und Weise, wie Menschen ihre Geschlechtsidentität nach außen darstellen beziehungsweise sich geschlechtlich präsentieren. zur gesellschaftlichen Zielscheibe werden. Neben Ausgrenzung und Ächtung drohen Zwangsverheiratungen, Gefängnisstrafen, Folter und manchmal sogar Mord. 

Wenn lsbq Geflüchtete in Deutschland Asyl beantragen wollen, sind sie mit neuen Problemen konfrontiert: So kommt es vor, dass verantwortliche Personen bei Anhörungen im Asylverfahren den Berichten der Antragstellenden nicht glauben, weil sie die eigenen Klischees über lsbq Personen nicht bestätigt sehen, oder zudringliche Fragen über Leben und sexuelle OrientierungDie sexuelle Orientierung beschreibt, mit Menschen welchen Geschlechts oder welcher Geschlechter jemand eine sexuelle und/oder romantische Beziehung eingehen möchte. der Geflüchteten stellen. Auch erweitern sich die Diskriminierungserfahrungen queerer"Queer" war im Englischen ein starkes Schimpfwort für LSBTIQ, ähnlich dem deutschen "pervers". In Deutschland dient es heute oft als Sammelbezeichnung für LSBTIQ, aber auch als eigenständige Selbstbezeichnung, die begrenzende Kategorien in Frage stellt. Geflüchteter in Deutschland nicht selten darum, dass sie Rassismus erleben und als Geflüchtete stigmatisiert werden.

Ist nicht-normative sexuelle Orientierung ein Asylgrund?

Ja – seit 2005 gelten sexuelle Orientierung und GeschlechtsidentitätDie Geschlechtsidentität bezeichnet das Wissen und Empfinden eines Menschen über sein eigenes Geschlecht. in Deutschland als Asylgrund. Ob jemand schwul, transgeschlechtlichTransgeschlechtliche Menschen identifizieren sich nicht oder nicht nur mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. oder in anderer Weise queer"Queer" war im Englischen ein starkes Schimpfwort für LSBTIQ, ähnlich dem deutschen "pervers". In Deutschland dient es heute oft als Sammelbezeichnung für LSBTIQ, aber auch als eigenständige Selbstbezeichnung, die begrenzende Kategorien in Frage stellt. ist, ist nicht immer gleich erkennbar oder überhaupt relevant; auch sind für Geschlecht und Begehren mancherorts andere Kategorien üblich als in Deutschland. 

Um Geflüchteten, die das nicht wissen oder negative Folgen eines OutingsAls Comingout (engl. "come out": herauskommen) wird der Prozess bezeichnet, die eigene Identität, sexuelle Orientierung, Lebensweise oder Körperlichkeit öffentlich zu machen, obwohl sie von herrschenden Normen abweicht. fürchten, die Thematisierung zu erleichtern, ist eine vertrauensvolle Atmosphäre in den Aufnahmestellen hilfreich. LSBTIQ"LSBTIQ" oder ähnliche Zusammensetzungen dienen als Abkürzung für "Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans-, intergeschlechtliche und queere Menschen". "Lsbtiq" steht entsprechend für "lesbisch, schwul, bisexuell, trans-, intergeschlechtlich und queer".-Symbole und sichtbar ausliegende Materialien signalisieren, dass Sie offen sind, darüber zu sprechen. Auch hilft es im Zweifelsfall, Asylsuchenden die verschiedenen Gründe aufzuzählen, aus denen Asyl beantragt werden kann, inklusive sexueller OrientierungDie sexuelle Orientierung beschreibt, mit Menschen welchen Geschlechts oder welcher Geschlechter jemand eine sexuelle und/oder romantische Beziehung eingehen möchte. und Geschlechtsidentität.

Äußerst wichtig sind außerdem Weiterbildungen und Sensibilisierungsworkshops für Sozialarbeiter_innen und alle anderen Menschen, die beruflich oder ehrenamtlich mit Geflüchteten zu tun haben. So können diese das nötige Verständnis für Lebensrealitäten und Bedarfe nicht-heterosexuellerWenn Frauen sich von Männern romantisch und/oder sexuell angezogen fühlen, oder Männer von Frauen, werden sie als heterosexuell bezeichnet. Zugleich beschreibt "heterosexuell" auch sexuelle Handlungen zwischen einer Frau und einem Mann. Geflüchteter entwickeln. 

Worauf ist bei der Sprachmittlung zu achten? 

Ausdrücke, die auf Deutsch oder Englisch selbsterklärend scheinen, sind oftmals in der Sprache derjenigen, die aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität Asyl beantragen, noch nicht etabliert. Deshalb ist es wichtig, dass die Dolmetscher_innen mit den gängigen Entsprechungen aus dem jeweiligen Herkunftsland vertraut sind. 

Oft können lsbq Geflüchtete nicht darauf vertrauen, dass ihre Aussagen neutral und korrekt gedolmetscht werden, ohne dass es zu homo- oder transfeindlichen Verzerrungen kommt. Weisen Sie die betreffende Person darauf hin, dass sie intervenieren darf, wenn die dolmetschende Person ihre Aussagen verzerrt oder falsch wiedergibt.

Wie ist Unterstützung von lsbq Geflüchteten möglich? 

Fragen Sie immer direkt, wie lsbq Geflüchtete unterstützt werden wollen, zeigen Sie alle Optionen auf und treffen Sie keine Entscheidung ohne deren Zustimmung. Informieren Sie die betreffenden Personen früh über die Unterstützungsmöglichkeiten, die ihnen zur Verfügung stehen. Bei Fragen ist es sinnvoll, sich zunächst an lsbq Personen mit Flucht- und Migrationserfahrung zu wenden, die selbst als Expert_innen auf diesem Gebiet tätig sind und beispielsweise lsbq Geflüchtete professionell beraten. Diese können sicher auch andere hilfreiche und vertrauenswürdige Fachleute empfehlen.

1 Carroll, Aengus/Mendos, Lucas Ramón (2017): "State-Sponsored Homophobia. A World Survey of Sexual Orientation Laws: Criminalisation, Protection and Recognition". In ilga.org. Zuletzt abgerufen am 28.11.2018 von https://ilga.org/downloads/2017/ILGA_State_Sponsored_Homophobia_2017_WEB.pdf; Deutscher Bundestag (2019): Antwort der Bundesregierung auf die Große Anfrage der Abgeordneten Kai Gehring, Sven Lehmann, Ulle Schauws, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Drucksache 19/3061). Internationale Lage der Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, Transgendern und Intersexuellen. Bundestagsdrucksache 19. Wahlperiode, 19/9077, 29.03.2019. Zuletzt abgerufen am 09.05.2019 unter http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/19/090/1909077.pdf.

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