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Coming out als schwul, lesbisch, bi, pan, queer 

Hetero-sexuell bedeutet:
Liebe zwischen Mann und Frau. 
Zum Beispiel:
Männer lieben Frauen. 
Frauen lieben Männer.

Viele denken:
Es gibt nur Liebe zwischen Mann und Frau.
Das nennt man hetero-sexuell.

Aber es gibt auch viele andere Arten von Liebe und Zusammen-Leben. 
Es muss nicht immer ein Mann und eine Frau ein Paar sein.
Auch zwei Männer können ein Paar sein. 
Oder zwei Frauen.

In diesem Text geht es um Fragen von Menschen, die nicht hetero-sexuell sind.
Zum Beispiel: 

  • Kann ich anderen Menschen sagen:
    Ich bin nicht hetero-sexuell
  • Wie sage ich das anderen Menschen.
  • Wie kann ich Freunden helfen.
    Wenn sie anderen Menschen sagen wollen:
    Ich bin nicht hetero-sexuell

Warum soll man über seine Sexualität sprechen?
Manche Menschen möchten offen über ihre Sexualität sprechen. 
Vor allem, wenn es nicht um Sexualität zwischen Mann und Frau geht. 
Viele Menschen outen sich dann.

Outen ist ein englisches Wort.
Man spricht es so: auten.
Es kommt von dem Begriff Coming out
Man spricht es so: Kaming aut.
Das bedeutet: Raus-gehen.

Outen bedeutet:
Etwas nach außen zeigen. 
Zum Beispiel.
Anderen Menschen zeigen:
Ich bin ein Mann und liebe Männer.
Oder.
Ich bin eine Frau und liebe Frauen. 
Outen bedeutet auch. 
Wenn man anderen Menschen davon erzählt.

Menschen outen sich: 
Weil sie im Alltag frei sein wollen. 
Sie wollen sich nicht verstecken.
Sie wollen ihre Gefühle nach außen zeigen. 
Und sie wollen offen über ihre Beziehungen zu ihrem Partner oder zu ihrer Partnerin sprechen. 
Auch wenn sie nicht hetero-sexuell leben. 
Sie wollen so wie alle Menschen über ihre Beziehungen sprechen. 

Andere Menschen wollen zeigen: 
Es muss nicht immer Liebe zwischen Mann und Frau sein.
Diese Menschen wollen die anderen sexuellen Partnerschaften sichtbar machen. 
Damit andere Menschen sehen:
Es gibt nicht nur Liebe zwischen Mann und Frau.

Deshalb outen sie sich. 
Sie sagen und zeigen: 
-    Ich bin homo-sexuell.
Das bedeutet:
Jemand liebt Menschen mit dem gleichen Geschlecht.
Zum Beispiel:
Wenn ein Mann Männer liebt.
Oder wenn eine Frau Frauen liebt. 

-    Ich bin queer
Das ist ein englisches Wort. 
Man spricht es so: kwier
Es bedeutet seltsam.
Oder anders
Manche benutzen das Wort für alle sexuellen Partnerschaften.
Wenn nicht ein Mann und eine Frau ein Paar sind.
Wenn sie nicht hetero-sexuell sind. 

-    Ich bin bi-sexuell
Bi bedeutet 2.
Bi-sexuell bedeutet: 
Jemand liebt Menschen von beiden Geschlechtern.
Zum Beispiel: 
Ein Mann liebt Frauen. 
Und er liebt auch Männer. 
Oder.
Eine Frau liebt Männer.
Und sie liebt auch Frauen.
Das muss nicht zur gleichen Zeit sein.

-    Ich bin pan-sexuell.
Pan kommt aus dem Griechischen.
Es heißt umfassend.
Oder alles
Pan-sexuell bedeutet: 
Jemand liebt Menschen:
Egal welches Geschlecht sie haben.

Wenn sich Menschen outen.
Dann treffen sie leichter auf Menschen mit einer ähnlichen Sexualität.
Weil sie ihre Sexualität offen nach außen zeigen. 
Und Menschen mit einer ähnlichen Sexualität erkennen besser:
Dieser Mensch passt zu mir mit seiner Sexualität.

ABER: 
Niemand muss über sich selbst sprechen. 
Darüber entscheidet jeder Mensch selbst. 

Machen Sie immer nur:
Was Ihnen gut tut.
Und womit Sie sich selbst wohl fühlen. 

Niemand darf Ihnen sagen.
Was Sie anderen über Ihre Sexualität sagen sollen.
Das entscheiden Sie selbst.

Warum sprechen manche Menschen nicht offen über ihre Sexualität?
Manche Menschen haben Angst:
Von anderen Menschen abgelehnt zu werden. 
Oder sie haben Angst vor Ausgrenzung. 
Deshalb sprechen sie nicht offen über ihre Sexualität. 

Andere Menschen denken:
Das ist nicht so wichtig.
Man muss nicht überall offen die eigene Sexualität zeigen. 
Oder darüber sprechen.
Deshalb outen sie sich nicht. 

Wie kann man sich outen?
Überlegen Sie als erstes:
Welcher Weg ist für Sie am besten: 
Wenn Sie offen über ihre Sexualität sprechen wollen. 
Das kann ein Gespräch sein. 
Oder ein Brief. 
Oder eine E-Mail.

Sprechen Sie zuerst mit einer einzelnen Person offen über ihre Sexualität.
Es sollte eine Person sein: 
Die Ihnen helfen kann. 
Und die sich für Sie stark macht.

Manche Menschen haben in einer Beziehung ein Coming out
Das bedeutet: 
Sie sind mit einer Person zusammen. 
Aber sie wollen eine andere Art von Sexualität leben. 
Zum Beispiel: 
Ein Mann ist mit einer Frau verheiratet. 
Irgendwann merkt er:
Er liebt Männer. 
Er möchte Beziehungen zu Männern.
Auch wenn er in einer Beziehung mit einer Frau lebt. 
Das ist ein Coming out in einer Beziehung.

Weil der Mann in einer Beziehung mit der Frau ist.
Und weil er mit ihr offen über seine Sexualität spricht.
Und weil diese Sexualität anders ist als die Sexualität in der Beziehung. 
Ein Coming out in einer Beziehung kann sehr schwierig sein.

Das ist wichtig bei einem Coming out in einer Beziehung: 
Ihr Partner oder Ihre Partnerin kann sich betrogen fühlen. 
Deshalb sollten Sie über Ihre Gefühle sprechen. 
Und darüber:
Das bedeutet das Coming out für die Beziehung. 
Die Beziehung kann vorbei sein. 
Sie kann sich auch verändern. 
Sprechen Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin darüber.

Sie wollen Ihre Sexualität geheim halten?
Dann sagen Sie das der Person:
Wenn Sie mit ihr offen über Ihre Sexualität sprechen. 
Damit diese Person weiß:
Sie darf die Sachen aus dem Gespräch nicht weiter-erzählen.

Was mache ich bei Problemen wegen meiner Sexualität?
Manche Menschen denken:
Es gibt nur Liebe zwischen Mann und Frau.
Das ist normal. 
Sie verstehen nicht:
Es gibt viele andere Arten von Liebe.
Und von Zusammen-Leben.

Diese Menschen haben Probleme mit anderen Lebensweisen.
Wenn zum Beispiel ein Mann Männer liebt.
Oder wenn jemand Männer genauso liebt wie Frauen.
Oder wenn eine Frau Frauen liebt. 
Oder wenn jemand eine Person liebt:
Und das Geschlecht von dieser Person egal ist.

Das können die Gründe für die Ablehnung sein:

  • Manche Menschen haben Angst.
    Sie leben hetero-sexuell.
    Also ein Mann lebt zusammen mit einer Frau. 
    Oder eine Frau lebt zusammen mit einem Mann.
    Aber sie haben vielleicht auch andere sexuelle Gefühle. 
    Die Frau liebt vielleicht auch Frauen.
    Oder der Mann liebt vielleicht auch Männer.
    Das macht ihnen Angst. 
    Deshalb lehnen sie solche Lebensweisen ab. 
  • Manche Menschen haben einen bestimmten Glauben. 
    Dieser Glauben erlaubt nur ein hetero-sexuelles Leben.
    Alle anderen Arten von Sexualität sind verboten.
    Deshalb lehnen Menschen mit so einem Glauben andere Lebensweisen ab.

Wenn eine andere Person Sie ablehnt:
Weil Sie nicht hetero-sexuell sind.
Und eine andere Sexualität haben.
Dann holen Sie sich Hilfe. 


Von Menschen, die Sie kennen. 
Und die Ihnen Mut machen. 
Und die sich für Sie stark machen.

Sie können eine Anzeige machen:
Wenn andere Personen Sie schlecht behandeln.
Und Sie ausgrenzen. 
Oder Sie beschimpfen. 


Oder wenn andere Personen Sie angreifen:
Weil sie nicht hetero-sexuell sind.

Denn es gibt in Deutschland ein Gesetz:
Das Allgemeine Gleich-Behandlungs-Gesetz.
Dieses Gesetz verbietet Ausgrenzung von Menschen: 
Weil sie eine andere Sexualität haben.

In Beratungs-Stellen können Sie sich Hilfe holen.
Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zeigen Ihnen: 
Das können Sie noch gegen Ausgrenzung machen.

Jemand möchte sich outen – wie kann ich helfen?
Fragen Sie die Person erst, ob sie ihr helfen dürfen.
Denn:
Die Person muss mit Ihrer Hilfe einverstanden sein

So helfen Sie anderen beim Coming out
Überlegen Sie gemeinsam mit der Person: 
Wie kann man offen über Sexualität sprechen. 
Oder über Sexualität schreiben.

Manchmal helfen auch andere Sachen.
Zum Beispiel:
Wenn Sie beim Coming out von der anderen Person dabei sind. 
Oder wenn Sie danach da sind.
Und mit der Person darüber reden können.

Sprechen Sie mit der anderen Person auch darüber: 
Was kann man bei Ablehnung nach einem Coming out machen. 
Wenn andere Menschen die Person ausgrenzen. 
Weil Sie nach dem Coming out wissen:
Diese Person ist nicht hetero-sexuell.

Überlegen Sie zusammen: 
Das machen wir gegen Ausgrenzung wegen der Sexualität. 

Wehren Sie sich.
Wenn andere etwas gegen Menschen sagen:

  • Weil sie Menschen mit dem eigenen Geschlecht lieben.
  • Weil sie Menschen mit dem eigenen Geschlecht lieben.
    Und weil sie genauso Menschen vom anderen Geschlecht lieben. 
  • Weil sie alle Menschen lieben.
    Wenn sie nicht hetero-sexuell sind. 
  • Weil sie alle Menschen lieben.
    Egal welches Geschlecht sie haben.