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Intergeschlechtlichkeit und Recht auf körperliche Unversehrtheit

Über den eigenen Körper selbst zu bestimmen und ihn vor ungewollten Eingriffen schützen zu können, ist für die meisten eine Selbstverständlichkeit. Intergeschlechtliche Menschen haben oft andere Erfahrungen gemacht.

Es gehört zu den elementarsten Menschenrechten: das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Wenn NormvorstellungenGesellschaftliche Normen (lat. "norma": Richtschnur, Regel) bezeichnen allgemein anerkannte, als verbindlich geltende Verhaltensregeln, die das Zusammenleben von Menschen organisieren. über Geschlecht ins Spiel kommen, kann die Geltung dieses Rechts jedoch in Gefahr geraten. So war lange Zeit die Auffassung verbreitet, dass Kinder nur dann Aussicht auf ein lebenswertes und sozial integriertes Leben hätten, wenn ihre Genitalien wie ein "typischer" Penis oder eine "typische" Vulva aussähen und sie als Erwachsene "normalen" Geschlechtsverkehr haben könnten.

IntergeschlechtlicheIntergeschlechtliche (lat. "inter": zwischen) Menschen haben angeborene körperliche Merkmale, die sich nach medizinischen Normen nicht eindeutig als (nur) männlich oder (nur) weiblich einordnen lassen. Babys, Kinder und Jugendliche, deren Körper diesen NormenGesellschaftliche Normen (lat. "norma": Richtschnur, Regel) bezeichnen allgemein anerkannte, als verbindlich geltende Verhaltensregeln, die das Zusammenleben von Menschen organisieren. nicht entsprachen, wurden deshalb – und werden mutmaßlich noch heute – häufig geschlechtsveränderndenMit geschlechtsverändernden Eingriffen wird der Körper von intergeschlechtlichen Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen so verändert, dass sie den aktuellen Vorstellungen über einen "typisch" männlichen oder weiblichen Körper entsprechen. Operationen und/oder Hormonbehandlungen unterzogen.1 Viele von ihnen haben lebenslange seelische und körperliche Schäden davongetragen, die auch die Fortpflanzungsfähigkeit und sexuelle Sensibilität betreffen können.

Freiwillige Behandlungen?

Natürlich können intergeschlechtliche Menschen auch selbst den Wunsch nach einer Behandlung haben, die ihre Geschlechtsmerkmale verändert.

Inter*Intergeschlechtliche (lat. "inter": zwischen) Menschen haben angeborene körperliche Merkmale, die sich nach medizinischen Normen nicht eindeutig als (nur) männlich oder (nur) weiblich einordnen lassen.-Organisationen kritisieren aber, dass bisher oft die stellvertretende Einwilligung der Eltern, nachträglich geäußerte Zufriedenheit der behandelten inter* Person oder ein Zustimmen unter Druck und fehlenden Informationen als "Einwilligung" gewertet wurden.

Dem stellen sie das Prinzip der "persönlichen, freien und umfassend informierten vorigen Einwilligung" entgegen. Das heißt: Die Zustimmung muss vor dem Eingriff erfolgen. Auf die Person darf kein Druck ausgeübt werden. Sie muss alle Informationen über mögliche Folgen einer Behandlung sowie über Alternativen haben – dazu zählt auch das Wissen über Lebenswege jenseits von Mann und Frau oder jenseits eines NormkörpersGesellschaftliche Normen (lat. "norma": Richtschnur, Regel) bezeichnen allgemein anerkannte, als verbindlich geltende Verhaltensregeln, die das Zusammenleben von Menschen organisieren.. Und Kinder, die noch nicht selbst zustimmen können, sollen nur dann geschlechtsveränderndenMit geschlechtsverändernden Eingriffen wird der Körper von intergeschlechtlichen Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen so verändert, dass sie den aktuellen Vorstellungen über einen "typisch" männlichen oder weiblichen Körper entsprechen. Eingriffen unterzogen werden, wenn Lebensgefahr anders nicht abgewendet werden kann.

Selbstbestimmung besser schützen

Inzwischen hat sich auch die medizinische Haltung zu Intergeschlechtlichkeit verändert. So empfehlen die geltenden medizinischen Leitlinien, Operationen an inter* Kindern nur in gesundheitlich dringlichen Fällen vorzunehmen2 und Betroffene auch schon im Kindesalter in alle Entscheidungen einzubeziehen.3

Menschenrechts- und Inter*-Organisationen sowie einzelne Ärzt_innen beklagen jedoch, dass in der Praxis geschlechtsveränderndeMit geschlechtsverändernden Eingriffen wird der Körper von intergeschlechtlichen Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen so verändert, dass sie den aktuellen Vorstellungen über einen "typisch" männlichen oder weiblichen Körper entsprechen. Behandlungen ohne erwiesene medizinische Notwendigkeit noch nicht der Vergangenheit angehörten.4 Deshalb fordern sie ein ausdrückliches gesetzliches Verbot solcher Eingriffe an Kindern – damit auch für intergeschlechtliche Personen ohne Einschränkung gilt: Jeder Mensch hat das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Dafür zu sorgen, ist Aufgabe der Bundesregierung, die im Koalitionsvertrag festgehalten hat: "Wir werden gesetzlich klarstellen, dass geschlechtsangleichende medizinische Eingriffe an Kindern nur in unaufschiebbaren Fällen und zur Abwendung von Lebensgefahr zulässig sind."

1 Hoenes, Josch/Januschke, Eugen/Klöppel, Ulrike (2019): Häufigkeit normangleichender Operationen 'uneindeutiger' Genitalien im Kindesalter. Follow Up-Studie. Zuletzt abgerufen am 25.02.2019 von omp.ub.rub.de/index.php/RUB/catalog/view/113/99/604-2.

2 Deutsche Gesellschaft für Urologie/Deutsche Gesellschaft für
Kinderchirurgie/Deutsche Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie (Hrsg.) (2016): S2k-Leitlinie
Varianten der Geschlechtsentwicklung, S. 19; 21. Zuletzt abgerufen am 08.03.2018 von
www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/174-001l_S2k_Geschlechtsentwicklung-Varianten_2016-08_01.pdf.

3 Ebd., S. 4f.

4 Hoenes, Josch/Januschke, Eugen/Klöppel, Ulrike (2019): Häufigkeit normangleichender Operationen 'uneindeutiger' Genitalien im Kindesalter. Follow Up-Studie. Zuletzt abgerufen am 25.02.2019 von omp.ub.rub.de/index.php/RUB/catalog/view/113/99/604-2. 
 

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