Thema
Lebensbereich

Intergeschlechtliche Klient*innen therapeutisch begleiten

Was sind inter*-spezifische Herausforderungen in Therapie und Beratung? Wie kann ich als Fachkraft inter* Menschen gut unterstützen?

Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen im Gesundheitssystem wie etwa nichtkonsensuelle medizinische Eingriffe oder Übergriffe sind Teil der Biografie vieler inter* Menschen. Auch im Rahmen einer Psychotherapie können inter* Menschen Bevormundung erleben: Wenn Therapeut*innen (inter*-spezifische) Erfahrungen nicht ernst nehmen, die Privatsphäre ihrer Klient*innen – vor allem in Bezug auf Körper und Sexualität – nicht respektieren oder eine intensivere Auseinandersetzung mit der eigenen inter* Identität zu hemmen versuchen.

Oft ist daher das Vertrauen in professionelle Betreuung und Behandlung erschüttert und muss erst wieder neu aufgebaut werden.

Selbstbestimmung achten und Grenzen wahren

Gute Psychotherapie oder psychosoziale Beratung von inter* Menschen weiß um diese Herausforderungen und kann wesentlich dazu beitragen, negative Erlebnisse zu verarbeiten und Strategien des Umgangs mit inter*-spezifischen Herausforderungen und diskriminierenden oder gewaltvollen Strukturen zu entwickeln. Sie kann auch darin unterstützen, persönliche Grenzen neu kennenzulernen und zu achten.

Konsens hat deshalb auch innerhalb der Therapie oder Beratung besondere Bedeutung: Holen Sie zu den einzelnen Behandlungs- oder Beratungsschritten das Einverständnis Ihrer Klient*innen ein. Achten Sie darauf, welche Informationen diese über sich oder den eigenen Körper teilen möchten und welche nicht.

(Mögliche) Intergeschlechtlichkeit beim Namen nennen

Viele inter* Menschen sind selbst noch nie mit dem Wort „inter*“ in Berührung gekommen, sondern haben aus medizinischen Zusammenhängen nur Diagnosebegriffe und pathologisierende Beschreibungen für ihre Körper kennengelernt und verinnerlicht. Wenn sensibilisierte Psychotherapeut*innen oder psychosozial Beratende Raum bieten, über Erfahrungen mit dem eigenen Körper zu sprechen, und Intergeschlechtlichkeit als nicht-pathologisierenden Überbegriff anbieten, kann das hilfreich und notwendig sein, um an wichtige Informationen zu gelangen oder andere inter* Menschen und Inter*-Organisationen zu finden.

Sich und andere informieren

Legen Sie nach Möglichkeit Broschüren zu Inter*-Themen auch im Wartebereich aus. Das erleichtert inter* Menschen, das Thema anzusprechen. Inter*-Beratungsstellen und Selbstvertretungsorganisationen können Ihnen mit Infomaterial, Fortbildungen oder Auskunft zu spezifischen Fragestellungen auch bei Ihrem eigenen Wissensaufbau helfen. Orientierung und Hilfestellung können Ihnen diese Angebote sowie weiterführende Informationsmaterialien bieten. Denn die Körper, Geschichten und Anliegen von inter* Menschen sind sehr unterschiedlich und jede*r Berater*in und Therapeut*in kann ja nur begrenzt eigene Erfahrungen machen.

Weiterführende Informationen:

Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen (2020): Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in der psychosozialen Beratung. Ziele, Leistungen, Qualitätsmerkmale für die Beratung von LSBTIQ* – Lesben, Schwulen, Bi*, Trans*, Inter*, Queeren und ihren Angehörigen in NRW. Zuletzt abgerufen am 20.12.2022 von https://broschuerenservice.nrw.de/default/files?download_page=0&product_id=888&files=download/pdf/2020-lsbtiq-beratung-final-pdf_von_sexuelle-und-geschlechtliche-vielfalt-in-der-psychosozialen-beratung_vom_mkffi_3302.pdf.