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Inter* und gesund sein

Wie kann ich gut für meine Gesundheit sorgen, wenn ich intergeschlechtlich beziehungsweise intersexuell bin?

Im Leben intergeschlechtlicherIntergeschlechtliche (lat. "inter": zwischen) Menschen haben angeborene körperliche Merkmale, die sich nach medizinischen Normen nicht eindeutig als (nur) männlich oder (nur) weiblich einordnen lassen. Menschen haben "Gesundheit" und "Krankheit" oft nicht die übliche Bedeutung: So kann es sein, dass Sie mit einem gesunden intergeschlechtlichen Körper zur Welt gekommen sind, dem eine "Störung" bescheinigt wurde. Und dass zur "Behandlung" der "Störung" ein Eingriff an Ihrem Körper vorgenommen wurde, der Sie dauerhaft behandlungsbedürftig macht.

Unter solchen widrigen Bedingungen gut für das eigene leibliche und seelische Wohl zu sorgen, ist eine herausfordernde Aufgabe. Inter* Menschen erarbeiten sich darin oft große Kompetenz.

Jeder Körper ist anders

Als inter* Person brauchen Sie, wie andere auch, eine passgenaue medizinische Versorgung. Männliche oder weibliche Normwerte (zum Beispiel bei Hormonen) sind nicht in jedem Fall das richtige Maß dafür, ob Sie gesund oder behandlungsbedürftig sind. Auch Medikamente können bei Ihnen anders wirken als bei Menschen, die nicht inter* sind.

Möglicherweise brauchen oder wünschen Sie eine Hormontherapie, um Gesundheitsrisiken zu mindern oder Ihre Lebensqualität zu erhöhen. Diese Entscheidung soll individuell und orientiert am "Wunsch der Betroffenen nach deren weiterer Entwicklung"1 getroffen werden – auch wer laut Krankenkassenkarte weiblich ist, kann Testosteron verschrieben bekommen.2  

Patient_innen als Expert_innen

Nehmen Sie die Signale Ihres Körpers ernst: Wenn Sie spüren, dass eine Behandlung oder Dosierung Ihnen nicht guttut, ist das eine Tatsache, die in die gemeinsame Entscheidung von Patient_in und Ärzt_in einfließen muss. 

Führen Sie Ihre eigene Behandlungsakte und bewahren Sie darin Kopien aller Befunde auf. So haben Sie Ihre Daten auch zur Hand, wenn Sie Ärzt_innen wechseln oder Untersuchungen weit zurückliegen.

Gut für sich sorgen

Nutzen Sie das Erfahrungswissen anderer intergeschlechtlicher Menschen. Nehmen Sie die Vorsorge für Ihren Körper ernst. Je nachdem, welche Organe und Behandlungsgeschichte Sie haben, können unterschiedliche Früherkennungsuntersuchungen sinnvoll sein.

Die_den passende_n Ärzt_in finden

Inter*-Beratungsstellen können in manchen Gegenden Ärzt_innen empfehlen. Tipps für den Arzttermin gibt es hier.

Vielleicht hat ein_e Ärzt_in keine Erfahrung in der Begleitung von intergeschlechtlichenIntergeschlechtliche (lat. "inter": zwischen) Menschen haben angeborene körperliche Merkmale, die sich nach medizinischen Normen nicht eindeutig als (nur) männlich oder (nur) weiblich einordnen lassen. Menschen, zeigt sich aber lernbereit, sensibel und respektvoll. Dann kann es sich für Sie lohnen, sie_ihn im Aufbau von Inter*-Kompetenz zu bestärken und auf der Grundlage einer vertrauensvollen Beziehung gemeinsam die passende Versorgung für Ihren Körper zu entwickeln.

1 Deutsche Gesellschaft für Urologie/Deutsche Gesellschaft für
Kinderchirurgie/Deutsche Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie (Hrsg.) (2016): S2k-Leitlinie
Varianten der Geschlechtsentwicklung, S. 18. Zuletzt abgerufen am 01.01.2018 von
www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/174-001l_S2k_Geschlechtsentwicklung-Varianten_2016-08_01.pdf.

2 Ebd.

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