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Inter*-Rechte sind Menschenrechte!

Wer kämpft für die Menschenrechte intergeschlechtlicher Personen? Was sind ihre zentralen Forderungen?

Lange wurde in der Moderne über IntersexualitätIntersexuelle (lat. "inter": zwischen, "sexus": Geschlecht) beziehungsweise intergeschlechtliche Menschen haben körperliche Merkmale, die sich nach medizinischen Normen nicht eindeutig als (nur) männlich oder (nur) weiblich einordnen lassen. nur als medizinisches "Problem" gesprochen, das medizinisch zu "lösen" sei. Dass sich das geändert hat und die Situation intergeschlechtlicherIntergeschlechtliche (lat. "inter": zwischen) Menschen haben angeborene körperliche Merkmale, die sich nach medizinischen Normen nicht eindeutig als (nur) männlich oder (nur) weiblich einordnen lassen. Menschen zunehmend als eine Menschenrechtsfrage erkannt wird, ist jenen zu verdanken, die seit etwa den 1990er-Jahren ihre Stimme erhoben haben – zunächst als Einzelne, dann in Zusammenschlüssen.

Wofür kämpft die Inter*-Menschenrechtsbewegung?

Inter*Intergeschlechtliche (lat. "inter": zwischen) Menschen haben angeborene körperliche Merkmale, die sich nach medizinischen Normen nicht eindeutig als (nur) männlich oder (nur) weiblich einordnen lassen.-Organisationen setzen sich auf nationaler und internationaler Ebene für die Wahrung der körperlichen Unversehrtheit, für Selbstbestimmung und gesellschaftliche Anerkennung intergeschlechtlicher Menschen ein. Sie fordern unter anderem: 

  • die Praxis nicht lebensnotwendiger geschlechtsverändernder Eingriffe ohne die freie und voll informierte Einwilligung der intergeschlechtlichen Person endgültig zu beenden. 
  • intergeschlechtlichen Menschen vollen Zugang zu den Daten über ihre Behandlungsgeschichte zu ermöglichen.
  • geschehenes Unrecht anzuerkennen, aufzuarbeiten und zu entschädigen.
  • Praxen der Präimplantations-/Pränataldiagnostik, die auf die Verhinderung von Geburten intergeschlechtlicher Babys zielen, zu beenden.
  • allen intergeschlechtlichen Menschen bei Bedarf Zugang zu psychosozialer und Peer-Beratung zu gewähren, in der Intergeschlechtlichkeit nicht als behandlungsbedürftige Störung betrachtet wird.
  • intergeschlechtlichen Personen gleichberechtigte Teilhabe am sozialen Leben, an Bildung, Sport und Arbeitsmarkt zu ermöglichen.
  • Variationen der körperlichen Geschlechtsmerkmale nicht mehr als Krankheiten einzuordnen. 
  • Ärzt_innen, Pädagog_innen und andere Fachkräfte, aber auch Eltern und die allgemeine Öffentlichkeit aus einer Menschenrechtsperspektive über die Lebensrealitäten, Rechte und Bedarfe intergeschlechtlicher Personen aufzuklären.
  • solange Geschlecht amtlich registriert wird, allen Erwachsenen und einsichtsfähigen Kindern zu ermöglichen, zwischen weiblichem, männlichem und mindestens einem weiteren positiven Geschlechtseintrag zu wählen.
  • körperliche Geschlechtsmerkmale als Diskriminierungsgrund im Antidiskriminierungsrecht zu berücksichtigen.

Was sagen internationale Menschenrechtsorgane dazu?

Das Engagement von Inter*-Aktivist_innen und -Gruppen, die im Rahmen von UN-Staatenberichtsverfahren eigene Berichte zur Menschenrechtssituation in ihren Ländern erstellen, an parlamentarischen Anhörungen teilnehmen oder Menschenrechtsexpert_innen beraten, trägt Früchte: Inzwischen haben über 15 internationale Menschenrechtsorgane zu den Menschenrechtsverletzungen gegen intergeschlechtliche Personen Stellung bezogen1 und einzelne Regierungen zu konkreten Maßnahmen aufgefordert. 

Bis solche Appelle das Leben intergeschlechtlicher Menschen in Deutschland und auf der Welt tatsächlich verbessern, ist noch viel zu tun: "Die Europäer_innen sind sich der schmerzhaften persönlichen Geschichten intergeschlechtlicher Menschen und der Menschenrechtsverletzungen, mit denen sie konfrontiert sind, weiterhin kaum bewusst", klagte der Menschenrechtskommissar des Europarates 2015.2 Und der UN-Hochkommissar für Menschenrechte mahnte im gleichen Jahr: "Auch in den Ländern, die positive Schritte unternommen haben, müssen wir die Kluft zwischen Gesetzgebung und Lebensrealitäten intergeschlechtlicher Menschen schließen."3

1 Ghattas, Dan Christian (2017): Die Menschenrechte intergeschlechtlicher Menschen schützen. Wie können Sie helfen? Herausgegeben von Organisation Intersex International Europe e. V./Internationale Vereinigung Intergeschlechtlicher Menschen – OII Germany e. V. S. 30. Zuletzt abgerufen am 13.06.2018 von http://oiieurope.org/wp-content/uploads/2017/11/Menschenrechte_intergeschlechtlicher_Menschen_schuetzen.pdf.

2 Council of Europe Commissioner for Human Rights (2015): "Europe disregards intersex people’s right to self-determination and physical integrity". In: www.coe.int, 12.05.2015. Zuletzt abgerufen am 15.06.2018 von www.coe.int/en/web/commissioner/-/europe-disregards-intersex-people-s-right-to-self-determination-and-physical-integrity. (eigene Übersetzung)

3 Office of the United Nations High Commissioner for Human Rights (2015): "Opening remarks by Zeid Ra’ad Al Hussein, United Nations High Commissioner for Human Rights at the Expert meeting on ending human rights violations against intersex persons". In: www.ohchr.org, 16.09.2015. Zuletzt abgerufen am 15.06.2018 von www.ohchr.org/EN/NewsEvents/Pages/DisplayNews.aspx. (eigene Übersetzung)