Trans* Gesundheit und Diskriminierung

Trans* Menschen haben höhere Gesundheitsrisiken als cis Menschen. Was sind die Gründe dafür, und wie können trans* Menschen gut für sich sorgen?

Viele Studien belegen, dass transfeindlicheDiskriminierungDiskriminierung (lat. 'discriminare': trennen, unterscheiden) bedeutet, dass Menschen schlechter behandelt werden oder Nachteile für sie bestehen, weil sie bestimmte Merkmale haben beziehungsweise ihnen diese Merkmale zugeschrieben werden. und Gewalt dazu führen, dass es um die Gesundheit von transgeschlechtlichenTransgeschlechtliche Menschen identifizieren sich nicht oder nicht nur mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Menschen wesentlich schlechter bestellt ist als um die von cisgeschlechtlichenDie Begriffe cisgeschlechtlich, 'cisgender' oder 'cis' (lat. 'cis': diesseits) beschreiben Menschen, die sich dem Geschlecht zugehörig fühlen, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.heterosexuellenWenn Frauen sich von Männern romantisch und/oder sexuell angezogen fühlen, oder Männer von Frauen, werden sie als heterosexuell bezeichnet. Zugleich beschreibt 'heterosexuell' auch sexuelle Handlungen zwischen einer Frau und einem Mann. Menschen.

So leidentrans* Menschen sowohl deutlich häufiger an psychischen Erkrankungen, wie zum Beispiel Depressionen und Angststörungen, als auch an körperlichen Erkrankungen, wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie haben auch eine deutlich höhere Suizidgefährdung.1

Wie Diskriminierung und Stress krank machen

Trans* Menschen erleben in vielen Lebensbereichen – inklusive in der Gesundheitsversorgung – Diskriminierung, Gewalt, Ausgrenzung und Stigmatisierung. Dies führt dazu, dass sie seltener medizinische oder therapeutische Behandlung und Beratung in Anspruch nehmen. Dadurch werden Krankheiten zum Teil nicht oder erst (zu) spät erkannt und behandelt.2 

Ebenso bewirken transfeindliche Diskriminierung – und die Furcht vor dieser – ein hohes Maß an Stress, was sich über längere Zeiträume sehr negativ auf die psychische und körperliche Gesundheit auswirkt und so auch die Suizidgefährdung erhöht. Diese Erklärung wird in der Wissenschaft das "Minoritätenstressmodell" genannt und ist durch Studien belegt.3

Pathologisierung und Ausschlüsse im Gesundheitssystem

Auch das Gesundheitssystem selbst trägt wesentlich dazu bei, dass trans* Menschen pathologisiertPathologisierung bedeutet, dass die Identität, der Körper, die Empfindungen, Wahrnehmungen oder Beziehungen einer Person – entgegen deren eigener Wahrnehmung – als 'krankhaft' oder 'gestört' bezeichnet werden, weil sie von der Norm abweichen. und diskriminiert werden und dem daraus resultierenden Stress ausgesetzt sind. 

So wird im Gesundheitswesen in Deutschland noch voraussichtlich bis Ende 2021 die Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) verwendet, die trans* Menschen als psychisch krank bezeichnet – obwohl es schon jetzt möglich wäre, die aktuellste Version der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) zu verwenden, welche trans* Menschen nicht mehr als psychisch krank betrachtet. Auch hätte bereits die gesundheitspolitische Entscheidung getroffen werden können, Transgeschlechtlichkeit – unabhängig vom beziehungsweise entgegen der ICD 10 – im deutschen Gesundheitswesen zu entpathologisieren, was beispielsweise Dänemark und Malta getan haben.

Neben der Pathologisierung stellt zudem der lange Weg durch das Gesundheits- und Rechtssystem, der für den Abschluss einer TransitionAls Transition (engl.: Übergang, Durchquerung) bezeichnen transgeschlechtliche Menschen den Zeitraum der Annäherung an ihr empfundenes Geschlecht. in Deutschland zurückgelegt werden muss, für viele trans* Menschen eine enorme psychische Belastung dar.4 

Auch in den Konzepten der gesundheitlichen Prävention werden trans* Menschen trotz spezifischer, und oft höherer, Risiken nicht regelmäßig berücksichtigt. So gibt es zum Beispiel keine Präventionsstrategie bezüglich HIV und sexuell übertragbarer Krankheiten für trans* Menschen in Deutschland.5

Sich als trans* Mensch um die eigene Gesundheit kümmern

Damit Diskriminierung und Pathologisierung abgebaut werden, braucht es politische und gesellschaftliche Veränderungen. Trotzdem gibt es auch Dinge, die trans* Menschen tun können, um sich um den Erhalt ihrer Gesundheit zu kümmern. Wichtig ist zum Beispiel, gute Ärzt_innen oder Therapeut_innen zu finden, die informiert und vorbehaltslos unterstützend sind. Trans*- und LSBTIQ'LSBTIQ' oder ähnliche Zusammensetzungen dienen als Abkürzung für 'Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans-, intergeschlechtliche und queere Menschen'. 'Lsbtiq' steht entsprechend für 'lesbisch, schwul, bisexuell, trans-, intergeschlechtlich und queer'.-Anlaufstellen können dabei weiterhelfen. Auch (Peer-)Beratung, Austausch in der Community oder aktivistisches Engagement können Unterstützung bieten und die Widerstandsfähigkeit fördern.

1 Bundesvereinigung Trans* e.V. (2017): Policy Paper Gesundheit des Bundesverbandes Trans*. Trans*-Gesundheitsversorgung. Forderungen an die medizinischen Instanzen und an die Politik. S. 20-22. Zuletzt abgerufen am 06.01.2021 hier; FRA – European Agency for Fundamental Rights (2014): Being Trans in the European Union. Comparative Analysis of EU LGBT Survey Data. Zuletzt abgerufen am 06.01.2021 hier; Heylens, Gunter/Elaut, Els/Kreukels, B. C. Baudewint- je/Paap, Muirne C. S./Cerwenka, Susanne/Richter-Appelt, Hertha/Cohen-Kettenis, Peggy T./Haraldsen, Ira R./De Cuypere, Griet (2014): "Psychiatric characteristics in transsexual individuals: multicentre study in four European countries“. In: The British Journal of Psychiatry. 2014, 204, S. 151-156. Zuletzt abgerufen am 06.01.2021 hier; Center for Disease Control and Prevention (2019): "HIV and Transgender People". In: cdc.gov, 12.11.2019. Zuletzt abgerufen am 06.01.2021 hier; Bauer, Greta R./Scheim, Ayden I./Travers, Robb/Hammond, Rebecca (2015): "Intervenable factors associated with suicide risk in transgender persons: a respondent driven sampling study in Ontario, Canada". In: BMC Public Health. 2015, 15/525, S. 1-2. Zuletzt abgerufen am 06.01.2021 hier.

2 Bundesvereinigung Trans* e.V. (2017): Policy Paper Gesundheit des Bundesverbandes Trans*. Trans*-Gesundheitsversorgung. Forderungen an die medizinischen Instanzen und an die Politik. S. 18-22. Zuletzt abgerufen am 06.01.2021 hier; LesMigraS – Antigewalt- und Antidiskriminierungsbereich der Lesbenberatung Berlin e.V. (Hrsg.) (2012): "... nicht so greifbar und doch real". Eine quantitative und qualitative Studie zu Gewalt- und (Mehrfach-)Diskriminierungserfahrungen von lesbischen, bisexuellen Frauen und Trans* in Deutschland, S. 104. Zuletzt abgerufen am 06.01.2021 hier; Leitner, Christine (2019): "Gefährliche Diskriminierung. Medizinische Versorgung von Transgender-Personen". In: Spiegel Gesundheit, 26.08.2019. Zuletzt abgerufen am 06.01.2021 hier.

3 Bundesvereinigung Trans* e.V. (2017): Policy Paper Gesundheit des Bundesverbandes Trans*. Trans*-Gesundheitsversorgung. Forderungen an die medizinischen Instanzen und an die Politik. S. 21-22. Zuletzt abgerufen am 06.01.2021 hier; Meyer, Ilan H. (2001): "Why Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender Public Health?". In: American Journal of Public Health. 2001, 91/6/ S. 856-859. Zuletzt abgerufen am 06.01.2021 hier.

4 Bundesvereinigung Trans* e.V. (2017): Policy Paper Gesundheit des Bundesverbandes Trans*. Trans*-Gesundheitsversorgung. Forderungen an die medizinischen Instanzen und an die Politik. S. 18-19. Zuletzt abgerufen am 06.01.2021 hier; Schulteß, Franziska (2019): "Schwere Mängel bei der Gesundheitsversorgung von trans* Personen". In: Siegessäule, 04.12.2019. Zuletzt abgerufen am 06.01.2021 hier; Schmidt, Luise (2020): "Transition. Ein sicheres Gesundheitssystem für trans* Menschen schaffen". In: Tagesspiegel, 11.01.2020. Zuletzt abgerufen am 06.01.2021 hier.

5 Bundesvereinigung Trans* e.V. (2017): Policy Paper Gesundheit des Bundesverbandes Trans*. Trans*-Gesundheitsversorgung. Forderungen an die medizinischen Instanzen und an die Politik. S. 20. Zuletzt abgerufen am 06.01.2021 hier; Sauer, Arn (2012): "HIV und Trans* – (k)ein Thema oder viele?". In: HIV and more. 2012, 2, S. 48-49. Zuletzt abgerufen am 06.01.2021 hier.