Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus 2020

Der 27. Januar ist ein bundesweiter Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Unter diesen waren auch schwule, lesbische, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen.

Jedes Jahr wird am 27. Januar, dem Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, den Opfern des NS-Regimes gedacht. Unter den Opfergruppen des Nationalsozialismus befanden sich neben jüdischen Menschen, Rom_nja und Sinti_ze1, Menschen mit Behinderung, den politisch Verfolgten und weiteren Gruppen auchlsbtiq Menschen.

Schwule, bisexuelleund andere Männer, die sexuelle Kontakte mit Männern hatten, wurden vom NS-Regime systematisch verfolgt. Rund 90.000 wurden polizeilich erfasst, davon wurden 50.000 zu Freiheitsstrafen verurteilt.2 Bis zu 15.000 wurden in Konzentrationslagern inhaftiert.3 Tausende von ihnen wurden umgebracht.4

Auch lesbische/bisexuelle Frauen, trans* und inter* Menschen wurden denunziert, in Konzentrationslagern inhaftiert und/oder gefoltert.5 Wie viele von ihnen interniert und ermordet wurden, ist unklar. Eine weitere Aufarbeitung der Geschichte zu inter*, trans* und lesbischen Opfern des Nationalsozialismus ist dringend notwendig.

Zudem gab es LSBTIQ unter den Menschen, die aus anderen Gründen – zum Beispiel als Jüd_innen, Rom_nja, Sinti_ze, wegen ihrer Behinderung oder ihren politischen Ansichten – verfolgt, inhaftiert und ermordet wurden.

Neben dem Erinnern und Gedenken an die Opfer kann der Gedenktag auch dazu dienen, auf noch immer existierende Formen des Antisemitismus, Rassismus, der Behinderten- und LSBTIQ-Feindlichkeit und weitere Diskriminierungsformensowie auf das zerstörerische Potenzial menschenverachtender Ideologien aufmerksam zu machen.

Zu diesem Zweck hat sich Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey am diesjährigen Gedenktag mit Vertreter_innen der Initiative "Stolpersteine in Berlin" ausgetauscht und zusammen mit Schüler_innen Stolpersteine geputzt:

Zur Verfolgung von schwulen und bisexuellen Männern im NS-Regime, ihrer Kriminalisierung bis weit in die Nachkriegszeit sowie ihrer Rehabilitierung und Entschädigung können Sie in diesem Artikel mehr lesen.

1 Bei "Rom_nja und Sinti_ze" handelt es sich um die gegenderte Version von "Roma und Sinti". Vgl. Neue deutsche Medienmacher e. V. (2019): "Roma" sowie "Sinti". In: NdM-Glossar. Wörterverzeichnis der Neuen deutschen Medienmacher*innen (NdM) mit Formulierungshilfen, Erläuterungen und alternativen Begriffen für die Berichterstattung in der Einwanderungsgesellschaft, S. 44 sowie S. 45. Zuletzt abgerufen am 26.11.2019 von www.neuemedienmacher.de/Glossar_Webversion.pdf.
2  Jochheim, Gernot (2016): "Homosexuelle". In: Bundeszentrale für politische Bildung, 21.12.2016. Zuletzt abgerufen am 26.11.2019 von www.bpb.de/izpb/239460/homosexuelle.
3  Bundeszentrale für politische Bildung (2014): "1994: Homosexualität nicht mehr strafbar". In: Bundeszentrale für politische Bildung, 07.03.2014. Zuletzt abgerufen am 03.12.2018 von www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/180263/24-jahre-homosexualitaet-straffrei.
4  Ebd.
5  Boxhammer, Ingeborg/Leidinger, Christiane (2014): "Sexismus, Heteronormativität und (staatliche) Öffentlichkeit im Nationalsozialismus. Eine queer-feministische Perspektive auf die Verfolgung von Lesben und/oder Trans* in (straf-)rechtlichen Kontexten". In: Schwartz, Michael (2014): Homosexuelle im Nationalsozialismus. Neue Forschungsperspektiven zu Lebenssituationen von lesbischen, schwulen, bi-, trans- und intersexuellen Menschen 1933 bis 1945. München: De Gruyter Oldenbourg. S. 93-100. Zuletzt abgerufen am 03.12.2019 von sexualityandholocaust.files.wordpress.com/2018/10/boxhammer-leidinger.pdf; Plötz, Kirsten/Reusch, Nina (o. D.): "Repression gegen Intersexuelle". In: LSBTTIQ in Baden und Württemberg. Lebenswelten, Repression und Verfolgung im Nationalsozialismus und in der Bundesrepublik Deutschland. Zuletzt abgerufen am 03.12.2019 von www.lsbttiq-bw.de/historischer-kontext/repressionen/repression-gegen-inters/; Klöppel, Ulrike (2014): "Intersex im Nationalsozialismus. Ein Überblick über den Forschungsbedarf". In: Schwartz, Michael (2014): Homosexuelle im Nationalsozialismus. Neue Forschungsperspektiven zu Lebenssituationen von lesbischen, schwulen, bi-, trans- und intersexuellen Menschen 1933 bis 1945. München: De Gruyter Oldenbourg. S. 107-114. Zuletzt abgerufen am 03.12.2019 von sexualityandholocaust.files.wordpress.com/2018/10/klocc88ppel_intersex.pdf; Urgast, Steff (2017): "Endlich Denkmal für lesbische Nazi-Opfer?". In: siegessäule.de, 28.04.2017. Zuletzt abgerufen am 03.12.2019 von www.siegessaeule.de/no_cache/newscomments/article/3280-endlich-denkmal-fuer-lesbische-nazi-opfer.html; Schoppmann, Claudia interviewt von Schulteß, Franziska (2018): "Lesben im Nationalsozialismus: "Auch weibliche Homosexualität galt als 'entartet'"". In: siegessäule.de, 03.01.2018. Zuletzt abgerufen am 03.12.2019 von www.siegessaeule.de/no_cache/newscomments/article/3701-lesben-im-nationalsozialismus-auch-weibliche-homosexualitaet-galt-als-entartet.html.