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Glossar

Aromantisch

Menschen, die kein Interesse an romantischen Beziehungen mit anderen Menschen haben, bezeichnen sich mitunter als aromantisch. Manche von ihnen haben Interesse an sexuellen Begegnungen oder Beziehungen, andere verstehen sich zugleich als asexuell.

Aromantik ist von der Geschlechtsidentität und der sexuellen Orientierung unabhängig. Es gibt aromantische Menschen aller Geschlechter und sofern sie Sexualität mit anderen leben oder leben wollen, können sie sich als heterosexuell, bisexuell, lesbisch, schwul oder queer verstehen.

Asexuell

Menschen, die kein Interesse an sexuellen Begegnungen mit anderen Menschen haben, bezeichnen sich selbst oft als asexuell. Manche von ihnen haben Interesse an romantischen Liebesbeziehungen ohne Sexualität, andere nicht. Manche leben Sexualität mit sich selbst, andere haben gar keine sexuellen Empfindungen.

Die Übergänge zwischen asexuell und sexuell können fließend sein und sich im Laufe eines Lebens verändern.

Asexualität ist von der romantischen beziehungsweise sexuellen Orientierung unabhängig. Es gibt asexuelle Menschen aller Geschlechter, die sich zum Beispiel als heteroromantisch, biromantisch oder queer verstehen.

Bisexuell

Bisexuelle Menschen beschreiben ihre sexuelle Orientierung unterschiedlich: Als romantische und/oder sexuelle Anziehung zu Frauen und Männern, als Anziehung zu dem eigenen Geschlecht oder zu generell mehr als einem Geschlecht. Bisexualität kann also eine Anziehung zu Frauen und Männern bedeuten, oder zum Beispiel zu Frauen und nicht-binären Personen, oder zu Menschen ganz unabhängig von ihrem Geschlecht. Begrifflich gibt es Überschneidungen zu Pansexualität.

Viele Menschen haben auch im Laufe ihres Lebens Sex mit Menschen verschiedener Geschlechter oder verlieben sich in sie, ohne sich selbst als bisexuell zu bezeichnen.

Cis, cisgeschlechtlich

Die Begriffe "cisgeschlechtlich", "cisgender" oder "cis" (lat. "cis-": diesseits) beschreiben Menschen, die sich dem Geschlecht zugehörig fühlen, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Sie erleben häufig eine Übereinstimmung zwischen ihrem Körper und ihrer Geschlechtsidentität.

Cisgeschlechtlichkeit wird in unserer Gesellschaft als "normal" angesehen und cisgeschlechtliche Menschen genießen gesellschaftliche Vorteile, wie zum Beispiel sich nicht erklären zu müssen oder ohne Angst Umkleidekabinen in öffentlichen Bädern nutzen zu können.

Comingout

Als Comingout (engl. "come out": herauskommen) wird der Prozess bezeichnet, die eigene Identität, sexuelle Orientierung, Lebensweise oder Körperlichkeit öffentlich zu machen, obwohl sie von herrschenden Normen abweicht.

Familie, Bekannte oder die Öffentlichkeit über die eigene sexuelle Orientierung oder die eigene Geschlechtlichkeit in Kenntnis zu setzen, ist für LSBTIQ auch heute oft noch ein aufwühlender Prozess. Dabei wird mitunter zwischen einem inneren und äußeren Comingout unterschieden. Beim inneren Comingout wird sich jemand der eigenen Identität oder sexuellen Orientierung bewusst; das äußere Comingout beschreibt dann die selbstbestimmte "Veröffentlichung" zum Beispiel am Arbeitsplatz oder in der Familie.

Community

Der Begriff "Community" (dt.: Gemeinschaft, Gemeinde) bezeichnet eine Gruppe von Menschen, die sich aufgrund gemeinsamer Interessen, Eigenschaften oder Erfahrungen einander zugehörig fühlen. Die Mitglieder eine Community kennen sich nicht alle persönlich, teilen jedoch häufig bestimmte Grundwerte und stehen zum Beispiel über Veranstaltungen, Medien und soziale Netzwerke miteinander im Austausch.

Für Menschen mit Diskriminierungserfahrungen sind Communitys oft ein wichtiger Raum von Unterstützung, differenzierten Auseinandersetzungen und Empowerment.

Werte und Grundannahmen verschiedener Communitys unterscheiden und verändern sich mit der Zeit, Gruppen überschneiden sich und Menschen können sich zeitgleich verschiedenen Communitys zugehörig fühlen.

Diskriminierung

Diskriminierung (lat. "discriminare": trennen, unterscheiden) bedeutet, dass Menschen schlechter behandelt werden oder Nachteile für sie bestehen, weil sie bestimmte Merkmale haben beziehungsweise ihnen diese Merkmale zugeschrieben werden. Zum Beispiel: Eine qualifizierte Bewerberin wird nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen, weil sie transgeschlechtlich ist.

Diskriminierung kann sich nicht nur in individuellen Handlungen wie etwa Beleidigung oder Mobbing äußern, sondern auch in Gesetzen oder gesellschaftlichen Strukturen, die die Entfaltungschancen bestimmter Gruppen beschneiden, oder in Darstellungen in Werbung und Medien, die bestimmte Menschen herabwürdigen.

Was als Diskriminierung gilt – und wann eine Ungleichbehandlung vielmehr angemessen und richtig sei –, wurde im Lauf der Geschichte unterschiedlich beantwortet und ist auch heute noch Gegenstand von Auseinandersetzungen.

Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) liegt eine Diskriminierung vor, wenn Personen aufgrund ihrer tatsächlichen oder angenommenen ethnischen Herkunft, Religion, sexuellen Identität, des Geschlechts, Lebensalters oder einer Behinderung – oder einer Kombination daraus – benachteiligt werden und es keinen sachlichen Grund gibt, der die Ungleichbehandlung rechtfertigen würde. Beratungsstellen und Betroffene ordnen darüber hinaus weitere Handlungen und Umstände, die nicht im AGG berücksichtigt sind, als diskriminierend ein.

Diskriminierung ist eng verbunden mit der Konstruktion von Gruppen, denen bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden, und trägt dazu bei, gesellschaftliche Machtverhältnisse und Hierarchien aufrechtzuerhalten.

DSD

"DSD" wird in medizinischen Kreisen als Abkürzung für "disorders of sex developement" (dt.: Störungen der Geschlechtsentwicklung) verwendet. Der Begriff dient als Oberbegriff für verschiedene medizinische Diagnosen von Intergeschlechtlichkeit. Inter*-Initiativen lehnen diese Bezeichnung ab, mit der Begründung, sie stelle gesunde intergeschlechtliche Körper als krankhaft und behandlungswürdig dar.

In Reaktion darauf wird die Abkürzung heute manchmal auch als "differences of sex developement" beziehungsweise auf Deutsch als "Unterschiede/Besonderheiten in der Geschlechtsentwicklung" ausgelegt. Von inter* Aktivist_innen wird dies kritisiert, da eine solche Umdeutung nichts an dem gängigen medizinischen Begriff "disorders" (dt.: Störung) ändere. Neutrale Bezeichnungen seien zum Beispiel "Intergeschlechtlichkeit" oder "Variationen der körperlichen Geschlechtsmerkmale".

Empowerment

Durch Empowerment (dt.: Ermächtigung, Stärkung) wird die Selbstbestimmung und Handlungsfähigkeit von Menschen oder Gemeinschaften verbessert. LSBTIQ erleben häufig Gewalt oder Diskriminierungen, die zu einem Gefühl der Ohnmacht führen können. Empowerment bedeutet, aus diesem Ohnmachtsgefühl herauszutreten und sich wieder als aktiv und handlungsfähig zu erleben. Zum Beispiel kann es als empowernd empfunden werden, sich durch politische Aktionen für die eigenen Rechte stark zu machen.

Gender(non)konform

Der Begriff "genderkonform" beschreibt die Übereinstimmung mit gesellschaftlich vorherrschenden Ideen über ein bestimmtes Geschlecht. "Gendernonkonform" beschreibt die Abweichung davon. Wenn es zum Beispiel heißt, ein Mädchen verhalte sich nicht genderkonform, so kann damit gemeint sein, dass sie laut ist oder sich prügelt, keine Kleider trägt oder nicht mit Puppen spielt.

Welches Verhalten oder Aussehen als gender(non)konform wahrgenommen wird, hängt von den aktuellen gesellschaftlichen Normen und den individuellen Vorstellungen der Personen ab, die diese Einschätzung vornehmen.

Geschlecht

Geschlecht ist in unserer Gesellschaft ein wichtiges Ordnungsprinzip und eine einflussreiche soziale Kategorie. Aus der Zuordnung einer Person zu einem Geschlecht ergeben sich Erwartungen an ihr Aussehen, Verhalten und Einkommen, an ihre Art der Kommunikation und vieles mehr. Diskriminierungen und Menschenrechtsverletzungen aufgrund des Geschlechts sind noch immer an der Tagesordnung, obwohl sie im Grundgesetz und im allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz verboten sind.

Geschlecht ist also wichtig. Aber die Definitionen darüber, was Geschlecht eigentlich ausmacht, unterscheiden sich stark: Für viele ist Geschlecht vor allem eine Eigenschaft des Körpers, die bei der Geburt von Hebamme oder Ärzt_innen festgestellt wird (und zwar als männlich oder weiblich). Auf dieser Webseite gehen wir davon aus, dass das Geschlecht einer Person nicht nur körperliche Merkmale umfasst, sondern zum Beispiel auch Aspekte der Identität und der sozialen Rolle, des Aussehens und Auftretens und des Personenstandes; dass es auf jeder dieser Ebenen mehr als zwei Optionen gibt und dass sich Außen- und Selbstwahrnehmung jeweils unterscheiden können.

Wenn nur eine bestimmte Ebene von Geschlecht gemeint ist, verwenden wir entsprechend spezifische Begriffe wie Geschlechtsausdruck, Geschlechtseintrag, Geschlechtsidentität oder körperliche Geschlechtsmerkmale. Den Begriff "geschlechtliche Vielfalt" verwenden wir, um die verschiedenen Geschlechter, Geschlechtsidentitäten und Selbstverortungen sichtbar zu machen, mit denen Menschen geboren werden und/oder die sie für sich passend finden.

Geschlechtsangleichende Maßnahmen

Als geschlechtsangleichend werden medizinischen Behandlungen bezeichnet, die den Körper an die eigene Geschlechtsidentität anpassen. Dazu gehören beispielweise Hormontherapien sowie operative Veränderungen der Genitalien und/oder des körperlichen Erscheinungsbildes.

Viele transsexuelle und trans* Menschen nehmen sie in Anspruch, um sich ihrem geschlechtlichen Selbsterleben entsprechend zu zeigen und/oder ein Leiden an bestimmten körperlichen Merkmalen abzubauen. Ein veralteter, von den meisten trans* Menschen als respektlos und irreführend abgelehnter Begriff ist "Geschlechtsumwandlung".

Gelegentlich wurden und werden auch solche Eingriffe als "geschlechtsangleichend" bezeichnet, die an intergeschlechtlichen Menschen ohne deren freie Einwilligung vorgenommen werden. Diese begriffliche Gleichsetzung von einerseits selbstbestimmten und gesundheitsförderlichen Behandlungen und andererseits solchen, die die Selbstbestimmung beschneiden und die Gesundheit gefährden, ist jedoch problematisch. Zur Unterscheidung verwenden wir deshalb den Begriff "geschlechtsverändernde Eingriffe" für Maßnahmen ohne Einwilligung.

Geschlechtsausdruck

Geschlechtsausdruck bezeichnet die Art und Weise, wie Menschen ihre Geschlechtsidentität nach außen darstellen beziehungsweise sich geschlechtlich präsentieren.

In Deutschland werden unter anderem Kleidung, Frisur, Styling, Körperhaltung, Gestik, Mimik und Sozialverhalten geschlechtlich differenziert und oft als "eher männlich" oder "eher weiblich" wahrgenommen. Der Geschlechtsausdruck einer Person ist deren individuelle Mischung dieser als männlich oder weiblich wahrgenommenen Ausdrucksformen.

Der Geschlechtsausdruck kann sich mit der Geschlechtsidentität decken, muss es aber nicht; er kann in sich vielfältig, widersprüchlich oder wechselhaft sein.

Geschlechtseintrag

Als Geschlechtseintrag wird der behördliche Vermerk über das Geschlecht im Geburtsregister und in Ausweisdokumenten bezeichnet.

Die erste Zuordnung zu einem Geschlecht erfolgt in der Regel vor und/oder direkt nach der Geburt anhand des Aussehens der äußeren Genitalien. Neben "männlich" und "weiblich" gibt es für intergeschlechtliche Menschen auch den Geschlechtseintrag "divers" sowie die Möglichkeit, den Geschlechtseintrag offen zu lassen.

Geschlechtsidentität

Die Geschlechtsidentität bezeichnet das Wissen und Empfinden eines Menschen über sein eigenes Geschlecht. In Deutschland empfinden sich viele Menschen als Frau oder Mann, andere als nicht-binär, als agender oder ganz anders.

Die Auswahl der möglichen Geschlechtsidentitäten, ihre jeweilige Bedeutung, ihr Status und ihre Sichtbarkeit sind in verschiedenen kulturellen und historischen Kontexten unterschiedlich.

Die Geschlechtsidentität kann sich auf Körpermerkmale beziehen, muss es aber nicht. Sie ist von außen nicht sichtbar und jeder Mensch kann nur selbst darüber Auskunft geben.

Geschlechtsverändernde Eingriffe

Mit geschlechtsverändernden Eingriffen wird der Körper – insbesondere die Genitalien – von intergeschlechtlichen Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen so verändert, dass sie den aktuellen Vorstellungen über einen "typisch" männlichen oder weiblichen Körper entsprechen.

Dafür werden bereits Neugeborene Operationen unterzogen, die unter anderem das Körpergefühl, die Fortpflanzungsfähigkeit und die sexuelle Empfindsamkeit beschädigen können. Inter*-Aktivist_innen kritisieren diese Praxis seit vielen Jahren als massive Menschenrechtsverletzung.

Mitunter werden solche Eingriffe fälschlich und verharmlosend als "geschlechtsangleichend" bezeichnet. Eine geschlechtsangleichende Behandlung erfolgt jedoch immer auf ausdrücklichen und persönlichen Wunsch der betreffenden Person.

Heterosexuell

Wenn Frauen sich von Männern romantisch und/oder sexuell angezogen fühlen, oder Männer von Frauen, werden sie als heterosexuell bezeichnet (griech. "heteros": ungleich; lat."sexus": Geschlecht). Zugleich beschreibt "heterosexuell" auch sexuelle Handlungen zwischen einer Frau und einem Mann.

Heterosexualität ist in Kultur und Medien präsent und wird oft unhinterfragt als Norm angesehen.

Homosexuell

"Homosexuell" (griech. "homos": gleich; lat. "sexus": Geschlecht) ist ein historischer Begriff, der sexuelle Handlungen, Begehren und Beziehungen zwischen Angehörigen des gleichen Geschlechts beschreibt.

Als der Begriff "Homosexualität" Ende des 19. Jahrhunderts in Europa aufkam, wurde er zunächst als psychiatrische Störung aufgefasst. Am 17. Mai 1990 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschlossen, Homosexualität aus ihrem Krankheiten- und Diagnosekatalog zu streichen. Von LSBTIQ selbst wird der Begriff "homosexuell" eher selten verwendet. Stattdessen haben sich unter anderem die Selbstbezeichnungen "lesbisch", "schwul", "bisexuell" durchgesetzt.

Intergeschlechtlich, inter*

Intergeschlechtliche (lat. "inter": zwischen) Menschen haben angeborene körperliche Merkmale, die sich nach medizinischen Normen nicht eindeutig als (nur) männlich oder (nur) weiblich einordnen lassen. Das betrifft zum Beispiel die Geschlechtsorgane, den Chromosomensatz oder die Hormonproduktion. Intergeschlechtlichkeit kann bereits bei der Geburt oder erst später sichtbar werden und zeigt sich auf ganz unterschiedliche Weise.

Intergeschlechtliche Menschen haben unterschiedliche Geschlechtsidentitäten, sie können sich zum Beispiel als weiblich, männlich, nicht-binär und/oder intergeschlechtlich identifizieren. Als Selbstbezeichnungen werden unter anderem "Inter", "intersexuell", "Mann", "Intersex", "Zwitter", "Frau", "Hermaphrodit" oder "Herm" verwendet. Das Sternchen in "inter*" soll dieser Vielfalt Ausdruck verleihen.

Intergeschlechtlichkeit ist nicht zu verwechseln mit Transgeschlechtlichkeit.

Intersexuell

Intersexuelle (lat. "inter": zwischen, "sexus": Geschlecht) beziehungsweise intergeschlechtliche Menschen haben körperliche Merkmale, die sich nach medizinischen Normen nicht eindeutig als (nur) männlich oder (nur) weiblich einordnen lassen.

Manche intergeschlechtliche Menschen empfinden den Begriff "intersexuell" als unpassend, da er fälschlicherweise nach Sexualität klingt, obwohl es um Geschlecht geht. Andere nennen sich selbst "intersexuell". Weitere Selbstbezeichnungen sind "Inter", "Mann", "Zwitter", "Frau", "Hermaphrodit" oder "Herm".

Intersexualität ist nicht zu verwechseln mit Transgeschlechtlichkeit.

Lesbisch

Frauen, die sich emotional und/oder sexuell in erster Linie zu Frauen hingezogen fühlen, bezeichnen sich häufig als lesbisch. Damit kann die eigene sexuelle Orientierung, ein Teil der eigenen Identität und/oder die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Subkultur benannt werden. Der Begriff geht auf die griechische Insel Lesbos zurück, auf der die antike Dichterin Sappho (6. Jh. v. Chr.) unter anderem Gedichte über die Liebe zwischen Frauen schrieb. "Lesbisch" oder "Lesbe" ist heute eine positive Selbst- und neutrale Fremdbezeichnung. Manchmal wird "Lesbe" jedoch auch noch als Schimpfwort verwendet.

LSBT, LSBTI, LSBTIQ, LSBTI*

"LSBTIQ" oder ähnliche Zusammensetzungen dienen als Abkürzung für "Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans-, intergeschlechtliche und queere Menschen". "Lsbtiq" steht entsprechend für "lesbisch, schwul, bisexuell, trans-, intergeschlechtlich und queer". Diese Abkürzungen beschreiben strategische Allianzen zwischen Menschen mit sehr verschiedenen Lebensrealitäten, Bedarfen und Zielen, die jedoch alle von Diskriminierungen betroffen sind, weil sie den herrschenden Vorstellungen über Geschlecht und Begehren nicht entsprechen. In manchen Schreibweisen werden weitere Buchstaben wie zum Beispiel "a" für asexuell oder ein Sternchen (*) als Platzhalter für weitere Selbstbezeichnungen hinzugefügt.

Monosexuell

Monosexualität (altgriech. "monos": allein, einzig; lat. "sexus": Geschlecht) beschreibt eine sexuelle Orientierung, die sich nur auf Menschen eines bestimmten Geschlechts richtet. Wenn jemand sich emotional/sexuell nur zu Männern, nur zu Frauen oder nur zu Menschen eines weiteren Geschlechts hingezogen fühlt, ist sie_er monosexuell. Dies gilt zum Beispiel für viele Schwule, Lesben und Heterosexuelle. Das Gegenteil sind bi- und pansexuelle Orientierungen, bei denen sich Begehren und/oder Anziehung auf verschiedene Geschlechter richtet.

Nicht-binär, non-binary

"Nicht-binär", "non-binary" oder auch "genderqueer" sind Selbstbezeichnungen für eine Geschlechtsidentität, die sich nicht in der Gegenüberstellung von Mann oder Frau beschreiben lässt. Damit kann eine Geschlechtsidentität "zwischen", "sowohl-als-auch", "weder-noch" oder "jenseits von" männlich und weiblich gemeint sein.

Zugleich wird nicht-binär/non-binary auch als Oberbegriff für diverse andere Geschlechtsidentitäten verwendet, die nicht (nur) weiblich oder (nur) männlich sind (zum Beispiel "neutrois", "agender", "genderfluid"). Nicht-binäre Geschlechtsidentitäten ergeben sich in der Regel nicht aus bestimmten Körpermerkmalen, sondern aus dem eigenen Geschlechtsempfinden.

Norm

Gesellschaftliche Normen (lat. "norma": Richtschnur, Regel) bezeichnen allgemein anerkannte, als verbindlich geltende Verhaltensregeln, die das Zusammenleben von Menschen organisieren. Normen reichen von starken und expliziten Verboten (Du sollst nicht töten!) bis zu impliziten und wenig verbindlichen Handlungsanweisen (Nachbar_innen grüßen einander).

Sie durchziehen alle Gesellschaftsbereiche und betreffen auch die Art und Weise, wie Geschlecht und Beziehungen zu leben sind. Geschlechternormen reichen von Körpernormen (Frauen sollten Brüste haben, Männer nicht) über Regeln zum Geschlechtsausdruck (Frauen dürfen Kleider tragen, Männer meistens nicht) bis zu Anweisungen über die Kommunikation (Männer sollten lauter reden als Frauen). Normen verändern sich im Laufe der Geschichte: Zum Beispiel ist die Regel, dass Männer Frauen die Tür aufhalten, heute weniger verbindlich als früher.

Normen werden (oft unbewusst) in Familien vermittelt, aber auch über Sprache, Medien und Gesetze festgeschrieben. Auch medizinische Diagnosen können Normen festlegen oder erhärten. Durch die Beschreibung bestimmter Eigenschaften oder Verhaltensweisen als "Krankheit" werden diese aus dem "normalen" Bereich einer Gesellschaft ausgegrenzt (zum Beispiel Intergeschlechtlichkeit, psychische Krankheiten und andere).

Wer von den Normen der eigenen Umgebung abweicht – zum Beispiel in Verhalten, Aussehen, Fähigkeiten oder Interessen –, kann Abwertung, Ausgrenzung oder andere Benachteiligung erfahren.

Pansexuell

Als pansexuell (griech. "pan": ganz, alles) bezeichnen sich Menschen, die ihr Begehren, ihre emotionale und/oder sexuelle Anziehung zu anderen Personen als unabhängig vom Geschlecht dieser Person empfinden. Pansexuelle Menschen können sich in Menschen aller Geschlechter verlieben. Manche Menschen verwenden "bisexuell" mit der gleichen Bedeutung; zwischen beiden Begriffen gibt es starke Überschneidungen.

Queer

"Queer" war im Englischen ein starkes Schimpfwort für LSBTIQ, ähnlich dem deutschen "pervers", und wird zum Teil weiterhin abwertend verwendet. In den USA wurde der Begriff in politischen Emanzipationsbewegungen jedoch positiv angeeignet und beschreibt eine Verschiebung von identitärer Politik ("Wir sind schwul und wollen auch ein Stück vom Kuchen.") hin zu politischen Allianzen von LSBTIQ ("Wir alle, die ihr uns 'pervers' nennt, wehren uns gegen Unterdrückung.").

In Deutschland wird "queer" oft als Sammelbezeichnung für "lesbisch, bisexuell, schwul, trans*, inter* und mehr", aber auch als eigenständige Selbstbezeichnung verwendet, die die begrenzenden Kategorien "homo-/heterosexuell", "männlich/weiblich", "cis-/transgeschlechtlich" in Frage stellt. Im akademischen Kontext wurde "queer" in den 1990er-Jahren aufgegriffen, um gesellschaftliche Normen zu Geschlecht und Begehren zu untersuchen.

Regenbogenfamilie

Als Regenbogenfamilien werden Familien bezeichnet, in denen Kinder mit mindestens einem lsbtiq Elternteil aufwachsen. Das können Patchworkfamilien mit Kindern aus einer früheren heterosexuellen Beziehung sein, lesbische oder schwule Paare, die sich gemeinsam für Kinder entscheiden, trans- oder intergeschlechtliche Eltern, die in unterschiedlichsten Konstellationen für Kinder Verantwortung tragen. Regenbogenfamilien sind Familien mit leiblichen, Adoptiv- oder Pflegekindern, mit einem, zwei, drei oder vier Elternteilen. Genau wie in heterosexuellen Stief- oder Pflegefamilien stehen die sozialen Verwandtschaften in Regenbogenfamilien oft im Vordergrund.

Schwul

Männer, die sich emotional und/oder sexuell in erster Linie zu Männern hingezogen fühlen, bezeichnen sich häufig als schwul. Damit kann die eigene sexuelle Orientierung, ein Teil der eigenen Identität und/oder die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Subkultur benannt werden. Der Begriff entstand im Laufe des 19. Jahrhunderts; zuvor waren gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht mit einer eigenständigen Identität verknüpft.

Nicht alle Männer, die Sex mit Männern haben, bezeichnen sich als schwul, weshalb in manchen Kontexten auch die Beschreibung "MSM" ("Männer, die Sex mit Männern haben") verwendet wird. "Schwul" ist heute eine positive Selbst- und neutrale Fremdbezeichnung. Häufig wird es jedoch auch noch als Schimpfwort verwendet.

Sexuelle Orientierung

Die sexuelle Orientierung beschreibt, mit Menschen welchen Geschlechts oder welcher Geschlechter jemand eine sexuelle und/oder romantische Beziehung eingehen möchte. Beispiele für sexuelle Orientierungen sind Hetero- und Homo-, Pan- und Bisexualität. Dabei geht es nicht immer nur um Sex und Beziehungsleben, sondern auch um die eigene Identität oder das Zugehörigkeitsgefühl zu einer bestimmten Subkultur.

"Transsexualität" und "Intersexualität" bezeichnen keine sexuellen Orientierungen, sondern sind alternative Begriffe für Trans- und Intergeschlechtlichkeit. Sie beziehen sich nicht auf das Begehren, sondern auf das körperliche Geschlecht und/oder die Geschlechtsidentität.

Trans*, transgeschlechtlich

Transgeschlechtliche Menschen identifizieren sich nicht oder nicht nur mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Manche trans* Menschen haben seit ihrer Kindheit das Gefühl, im "falschen" Körper zu stecken, anderen wird irgendwann bewusst, dass sie sich zum Beispiel weder als Mann noch als Frau fühlen. Manche nutzen geschlechtsangleichende Maßnahmen wie Hormone und/oder Operationen, andere nehmen lediglich einen anderen Vornamen an.

Die Selbstbezeichnungen transgeschlechtlicher Menschen sind vielfältig: Als trans* Mann bezeichnen sich zum Beispiel Männer oder männlich identifizierte Personen, die bei ihrer Geburt noch nicht als Junge wahrgenommen wurden. Weitere übliche Begriffe sind "transgeschlechtlich", "transgender", "transident" oder "transsexuell". "Trans*" wird häufig als Oberbegriff verwendet, wobei das Sternchen als Platzhalter für die unterschiedlichen Endungen stehen soll.

Transgeschlechtlichkeit ist nicht zu verwechseln mit Intergeschlechtlichkeit.

Transition

Als Transition (engl.: Übergang, Durchquerung) bezeichnen transgeschlechtliche Menschen den Zeitraum der Annäherung an ihr empfundenes Geschlecht. Dieses als stimmig empfundene Geschlecht kann Mädchen/Frau oder Junge/Mann, aber auch eine andere Geschlechtsidentität wie zum Beispiel agender, genderfluid oder nicht-binär sein. Die Transition kann die Verwendung eines neuen Namens umfassen, die Veränderung des Kleidungsstils, die Anpassung des Geschlechtseintrags, medizinische Behandlungen (Hormone, Operationen) und anderes. Es ist individuell sehr unterschiedlich, welche dieser Maßnahmen eine transgeschlechtliche Person anstrebt und umsetzt oder umsetzen kann.

Transsexuell

"Transsexuell" ist ein in Recht und Medizin verbreiteter Begriff für Transgeschlechtlichkeit. Gemeint sind Menschen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Viele transgeschlechtliche Menschen kritisieren den Begriff, weil er als psychiatrische Diagnose verwendet wurde und wird und/oder weil er fälschlicherweise nahelegt, dass es um Sexualität gehe.

Als Selbstbezeichnung wird "transsexuell" vor allem von Menschen benutzt, die sich eindeutig mit dem "Gegengeschlecht" identifizieren, also zum Beispiel als Junge erzogen wurden und heute als Frau leben. Mit Formulierungen wie "Frau mit transsexueller Vergangenheit/mit transsexuellem Hintergrund" wird dann betont, dass jemand klar und eindeutig eine Frau ist, die sich lediglich hinsichtlich ihrer Vergangenheit von einer cisgeschlechtlichen Frau unterscheidet.

Variationen der körperlichen Geschlechtsmerkmale

Die Beschreibung "Menschen mit Variationen der körperlichen Geschlechtsmerkmale" meint in der Regel intergeschlechtliche Menschen. Dabei verweist der Begriff "Variationen" (von lat. "varius": mannigfaltig) auf die Unterschiedlichkeit aller Menschen, die sich auch hinsichtlich ihres körperlichen Geschlechts stark voneinander unterscheiden. Die Verwendung von "Variationen der körperlichen Geschlechtsmerkmale" wendet sich damit gegen ein Verständnis von Intergeschlechtlichkeit als "Störung"/"DSD" und die damit gerechtfertigten geschlechtsverändernden Eingriffe. In der Medizin ist auch der Begriff "Varianten der körperlichen Geschlechtsmerkmale" in Gebrauch, der von Inter*-Organisationen allerdings kritisiert wird, da er mit einem Denken in Norm und Abweichung einhergehe.

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