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Gewalt in lsbtiq Beziehungen

Egal ob in Partner_innenschaft, Freund_innenschaft oder anderen Beziehungen – auch zwischen lesbischen, schwulen, bisexuellen, queeren, inter- oder transgeschlechtlichen Menschen kann Gewalt ausgeübt werden. Wie erkenne ich diese? Und wo bekomme ich als LSBTIQ Unterstützung, wenn ich Gewalt erlebe?

Wenn in der Gesellschaft und den Medien über Gewalt in Beziehungen gesprochen wird, geht es oft nur um Beziehungen von nicht-lsbtiq"LSBTIQ" oder ähnliche Zusammensetzungen dienen als Abkürzung für "Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans-, intergeschlechtliche und queere Menschen". "Lsbtiq" steht entsprechend für "lesbisch, schwul, bisexuell, trans-, intergeschlechtlich und queer". Menschen. Aber auch in Beziehungen zwischen lsbtiq Menschen gibt es Gewalt. Darüber zu sprechen und Hilfe zu suchen, ist für lsbtiq Menschen oft schwierig. Denn viele haben Angst, dass ihnen nicht geglaubt wird oder sie dann (noch mehr) Diskriminierung erfahren könnten. Oder dass die Thematisierung von Gewalt in queeren"Queer" war im Englischen ein starkes Schimpfwort für LSBTIQ, ähnlich dem deutschen "pervers". In Deutschland dient es heute oft als Sammelbezeichnung für LSBTIQ, aber auch als eigenständige Selbstbezeichnung, die begrenzende Kategorien in Frage stellt. Beziehungen negative Vorurteile bestärken und lsbtiq-feindliche politische Vorhaben begünstigen könnte.

Zu Gewalt zu schweigen, kann aber unberechtigte Schuld- und Schamgefühle noch verstärken. Deswegen ist es wichtig, darüber sprechen zu können.

Wie kann Gewalt in Beziehungen aussehen?

Es gibt verschiedene Arten von Gewalt in Beziehungen:

  • Psychische und verbale Gewalt: zum Beispiel zu beleidigen, beschimpfen, verfolgen (Stalking), absichtsvoll und/oder wiederholt den falschen Namen und ein falsches Pronomen zu verwenden oder ein Outing anzudrohen
  • Körperliche Gewalt: zum Beispiel zu schlagen, treten oder mit Waffen zu bedrohen
  • Sexualisierte Gewalt: zum Beispiel eine Person zu sexuellen Handlungen zu zwingen oder sich über ihre Sexualität oder ihren Körper lustig zu machen
  • Digitale Gewalt: zum Beispiel ohne Einwilligung Nacktfotos ins Internet zu stellen oder online falsche Behauptungen zu verbreiten
  • Ökonomische Gewalt: zum Beispiel Geld wegzunehmen, um die Person an der Transition zu hindern, die Person bei der Arbeit zu outen oder ihr Probleme mit dem Aufenthaltsstatus zu bereiten

In manchen Beziehungen übt nur eine Person Gewalt aus, aber es gibt auch Beziehungen, in denen beide Personen Gewalt ausüben.

Was kann ich tun, wenn ich Gewalt erfahren habe oder mitbekomme?

Verschiedenen Menschen helfen unterschiedliche Sachen, wenn sie Gewalt erfahren haben. Einige brauchen ein Gespräch mit einer vertrauten Person, die zuhört und Glauben schenkt. Andere wünschen sich, dass Freund_innen bei der Alltagsbewältigung mithelfen oder zu Veranstaltungen und Terminen mitkommen. Ruhe und Zeit für sich alleine zu haben oder das Erlebte durch Sport, Kunst oder anderes zu verarbeiten, kann auch guttun.

Zusätzlich kann es hilfreich sein, sich Unterstützung bei einer LSBTIQ-sensiblen Beratungsstelle oder Hotline zu suchen. (Peer-)Berater_innen können dabei helfen, sich vor weiterer Gewalt in Sicherheit zu bringen und gewaltvolle Situationen zu verändern. Sie können auch Informationen zu einer möglichen Anzeigenerstattung geben und vielleicht sogar zur Polizei oder Gerichtsterminen mitkommen.

Wichtig ist, dass Menschen, die Gewalt erfahren haben, von ihrer CommunityDer Begriff "Community" (dt.: Gemeinschaft, Gemeinde) bezeichnet eine Gruppe von Menschen, die sich aufgrund gemeinsamer Interessen, Eigenschaften oder Erfahrungen einander zugehörig fühlen. Unterstützung bekommen. Denn einige Personen, die Gewalt anwenden, versuchen die andere Person von ihren Freund_innen zu isolieren oder aus der LSBTIQ-Community auszugrenzen, beispielsweise indem sie ihr den Kontakt zu anderen verbieten, Lügen über sie verbreiten oder absichtlich einen Shitstorm auslösen. Deswegen ist es eine gemeinschaftliche Aufgabe, sich für das Thema zu sensibilisieren und gegen Gewalt in der LSBTIQ-Community einzustehen.