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Gesundheitsversorgung von intergeschlechtlichen Menschen

Auch wenn Ihnen Medizinstudium oder Pflegeausbildung Wissen zu sogenannten "DSD" vermittelt haben: Die erste Begegnung mit intergeschlechtlichen Patient_innen ist oft von Unsicherheit geprägt. Wir haben deshalb Hinweise von inter* Personen zusammengestellt.

IntergeschlechtlicheIntergeschlechtliche (lat. "inter": zwischen) Menschen haben angeborene körperliche Merkmale, die sich nach medizinischen Normen nicht eindeutig als (nur) männlich oder (nur) weiblich einordnen lassen. Menschen verbinden mit Krankenhäusern und Arztpraxen oft Erinnerungen an Herabwürdigung und Desinformation. Manche mussten dort Untersuchungen und Vermessungen ihres Körpers erleben, die nicht durch ein individuelles Therapieziel begründet waren. Oder ihr Genitalbereich wurde vor Studierenden und Kolleg_innen ihrer Behandler_innen zur Schau gestellt. Wenn sie geschlechtsveränderndenMit geschlechtsverändernden Eingriffen wird der Körper von intergeschlechtlichen Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen so verändert, dass sie den aktuellen Vorstellungen über einen "typisch" männlichen oder weiblichen Körper entsprechen. Operationen ohne ihre Einwilligung ausgesetzt waren, leiden sie möglicherweise unter den Langzeitfolgen dieser Eingriffe und/oder der durch sie nötig gewordenen Hormongaben.

Manche intergeschlechtliche Menschen versuchen Arztbesuche zu vermeiden, weil sie fürchten, im doppelten Wortsinne schlecht behandelt oder retraumatisiert zu werden.

Gemeinsam für eine gute Behandlung sorgen

Vor dem Hintergrund solcher Bevormundungs- und Gewalterfahrungen ist es zentral, inter*Intergeschlechtliche (lat. "inter": zwischen) Menschen haben angeborene körperliche Merkmale, die sich nach medizinischen Normen nicht eindeutig als (nur) männlich oder (nur) weiblich einordnen lassen. Patient_innen als Menschen mit Selbstbestimmungs- und Informationsrechten sowie Expert_innenwissen über den eigenen Körper zu begegnen:

  • Wenn körperliche Untersuchungen anstehen, erklären Sie im Vorhinein deren Zweck und die einzelnen Schritte. Holen Sie das Einverständnis der Person ein und bleiben Sie auch während der Untersuchung aufmerksam für Äußerungen von Unbehagen. Wenn Sie Ideen für weniger invasive Untersuchungsmethoden haben, schlagen Sie diese aktiv vor. 

  • Stellen Sie Ihr persönliches oder fachliches Interesse an Intergeschlechtlichkeit zurück, wenn Sie sich dem konkreten Anliegen widmen, das Ihre_n Patient_in zu Ihnen geführt hat. Vielleicht benötigen Sie bestimmte Informationen über Geschlechtsmerkmale oder die Behandlungsgeschichte der Person, um sie korrekt behandeln zu können. Erklären Sie in diesem Fall proaktiv und präzise, warum Sie diese Fragen stellen.

  • Achten Sie auf eine respektvolle Sprache, die den Körper Ihres Gegenübers nicht abwertet oder als defizitär erscheinen lässt. Weitere Tipps für einen verantwortungsvollen Umgang finden Sie hier.

  • Informieren Sie umfassend über verschiedene therapeutische Optionen, etwa was die Wahl oder Dosierung von Ersatzhormonen betrifft, und ermöglichen Sie eine an den individuellen Bedürfnissen der Person orientierte Entscheidung, wie dies auch die geltenden medizinischen Leitlinien fordern.

  • Lösen Sie sich dabei von Vorannahmen, was für intergeschlechtliche Personen wichtig ist. Möglicherweise ist etwa ein geschlechtsrollenkonformes Behaarungsmuster für die Person kein – oder gegenüber ihrem sonstigen gesundheitlichen Wohlergehen nur ein nachrangiges – Ziel.

Wissen und Weiterlernen

Intergeschlechtliche Körper, Biografien und Anliegen sind sehr unterschiedlich. Vermutlich können Sie nicht für jede spezifische Situation auf Vorerfahrungen zurückgreifen.

Viele inter* Menschen haben selbst umfangreiches Wissen über ihren Körper und wünschen sich, dass Behandler_innen Unsicherheiten offen ansprechen und mit ihnen Lösungen entwickeln, die an ihren spezifischen körperlichen Voraussetzungen und Bedarfen orientiert sind und nicht (notwendigerweise) an männlichen oder weiblichen Normwerten. Für soziale und rechtliche Fragen können Sie Ihre Patient_innen auch an Inter*-Organisationen und -Peerberatungsstellen verweisen oder sich dort selbst informieren.