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Geschlechtergerechte Sprache – Antworten auf häufige Fragen

Heißt es "Studentinnen und Studenten", "Student*innen" oder "Studierende"? Und warum soll ich mich darum überhaupt kümmern?

Was ist geschlechtergerechte Sprache?

Geschlechtergerechtes Schreiben und Sprechen geht von zwei Annahmen aus:

1. "Leser" meint nicht alle, die tatsächlich einen Text lesen.

2. Dieser Unterschied ist wichtig – Sprache sollte nicht einfach einen Teil der Menschen ausblenden.

Das Ziel geschlechtergerechter Sprache (umgangssprachlich auch "gendern") ist also eine faire und genauere Darstellung von Menschen. Für die praktische Umsetzung gibt es unterschiedliche Vorschläge.

Wie sieht das konkret aus? 

Schreibweisen wie "Lehrerinnen und Lehrer" oder "LehrerInnen", die weibliche und männliche Lehrkräfte sichtbar machen, sind den meisten bekannt. Sollen in einem umfassenderen Sinne alle Personen eingeschlossen werden, die unterrichten – also etwa auch nicht-binäre"Nicht-binär", "non-binary" oder auch "genderqueer" sind Selbstbezeichnungen für eine Geschlechtsidentität, die sich nicht in der Gegenüberstellung von Mann oder Frau beschreiben lässt. Menschen –, kann das zum Beispiel so aussehen:

  • Lehrer_innen (der Unterstrich gesprochen wie eine sehr kurze Pause)
  • Lehrer*innen (das Sternchen gesprochen wie eine sehr kurze Pause)
  • Lehrende
  • Lehrkräfte

Ist das nicht umständlich und unästhetisch?

Klar – wer bisher völlig anders gesprochen oder geschrieben hat, muss sich erst einmal umstellen. Mit ein bisschen Übung und Lust am Ausprobieren ist es aber gar nicht so schwer. Dabei können Sprachgefühl und ästhetische Vorlieben zu unterschiedlichen Lösungen führen.

Wir verwenden auf dieser Webseite meist den Unterstrich, wo möglich neutrale Formulierungen ("Führungskräfte", "Kinder", "Angehörige") und manchmal Beispiele, die bewusst einzelne GeschlechterGeschlecht ist in unserer Gesellschaft ein wichtiges Ordnungsprinzip und eine einflussreiche soziale Kategorie. Aber die Definitionen darüber, was Geschlecht eigentlich ausmacht, unterscheiden sich stark: … sichtbar machen. Manche Autor_innen ziehen schlankere Formulierungen vor und wechseln zwischen weiblichen, männlichen und neutralen Formen. 

Tipps und Hilfestellungen für "richtiges" oder "geschicktes" Gendern gibt es inzwischen zahlreich online und im Buchhandel. Auch der Rat für deutsche Rechtschreibung hat erste Empfehlungen ausgesprochen

Muss ich jetzt so schreiben?

Als Privatperson steht es Ihnen frei zu experimentieren oder je nach Anlass zu entscheiden, was Ihnen wichtig ist. Viele Vereine, Firmen und andere Organisationen vereinbaren eine einheitliche Schreibweise. Derzeit ist das oft der Unterstrich oder das Sternchen – in der Zukunft vielleicht etwas anderes. Sprache entwickelt und verändert sich im Laufe der Zeit und alle, die sprechen und schreiben, sind daran beteiligt.

Gibt es nicht drängendere Probleme?

Die wenigsten werden behaupten, dass allein eine Änderung des Sprechens zu einer gerechteren Gesellschaft führt. Oder umgekehrt, dass Sprache gar nichts damit zu tun habe, wer oder was ernst und wichtig genommen wird. Zwischen diesen beiden Positionen gibt es durchaus unterschiedliche Haltungen dazu, welche Bedeutung Sprache in Fragen der Geschlechtergerechtigkeit hat.

Warum entscheiden sich Menschen für geschlechtergerechte Sprache?

Manchen geht es um Genauigkeit: "Wenn ich eine geschlechtergemischte Gruppe beschreiben möchte, sollen im Kopf der Zuhörenden nicht nur oder vor allem Männer auftauchen."1  Andere sagen zum Beispiel: "Es ist ein Zeichen des Respekts, dass ich mein Gegenüber richtig adressiere und nicht bloß gedanklich einbeziehe." Oder: "Unsere Firma möchte die besten Arbeitskräfte gewinnen und halten, unabhängig von deren Geschlecht oder GeschlechtsidentitätDie Geschlechtsidentität bezeichnet das Wissen und Empfinden eines Menschen über sein eigenes Geschlecht.. Das müssen wir auch in unserer Kommunikation deutlich machen."

1 Dass dies bei der Verwendung grammatisch männlicher Formen (z.B. "Lehrer") der Fall ist, haben verschiedene Studien gezeigt, siehe zum Beispiel: Sczesny, Sabine/Formanowicz, Magdalena Maria/Moser, Franziska (2016): "Can gender-fair language reduce gender stereotyping and discrimination?". In: Frontiers in Psychology. 2016, 7/25, S. 1-11, hier S. 6.

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